Pflegealltag

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Einblick in meinen aktuellen "Pflegealltag".

Dank der tollen IT- Abteilung wurden alle organisatorischen Tätigkeiten auf Homeoffice umgelegt. Es ist schon fein im Pyjama zu arbeiten. Das Telefon läutet unermüdlich, die Nachrichten gehen nur so ein. Ich habe Halsweh weil ich sehr viel telefonieren muss. Mitarbeiter, besorgte Kunden und allgemeine Belangen lassen mein Ohr glühen. Die Schwerhörigen erleichtern die Situation nicht, sie verstehen einen am Telefon kaum, der Umstieg auf SMS ist keine Option. Generell muss ich vieles gefühlte 10 000x wiederholen. Mitarbeiter werden mit Informationen und Verhaltensmaßnahmen überhäuft und trotzdem bleibt einiges unklar. Regelmäßiges telefonisches Rückfragen an Mitarbeiter und Kunden soll ihnen Sicherheit geben, inklusive inoffizielle Seelsorge. Ich bin, "nur" Stellvertretung und 2. Ansprechperson. Wie es wohl meiner Leitung dabei geht?

Der organisatorische Aufwand ist ernorm. Tätigkeiten der mobilen Pflege beim Kunden werden ausgelagert. Freiwillige melden sich und bieten ihre Hilfe an. Sie übernehmen Einkäufe und sonstige Besorgungen. Die Gasthäuser vernetzen sich miteinander damit jeder Kunde weiterhin sein Mittagessen bekommt. Danke für eure freiwillige Hilfe, wir nehmen das Angebot sehr gerne an.

Szenenwechsel.

Der Gang zur Apotheke wird zum Spießrutenlauf. Es kostet sehr viel Zeit. Rezepte werden telefonisch beim Hausarzt vorbestellt. Die Rezepte gelangen irgendwann im Laufe des Tages in die Apotheke. Am nächsten Tag sind sie offizell abholbereit. Wir versuchen mittlerweile auf Sammelbestellungen für mehrere Kunden zeitgleich umzustellen, da wir sonst wortwörtlich vom Warten vor der Apotheke alt werden. Einige Leute halten natürlich keinen Sicherheitsabstand ein und rotzen dir spitz übertrieben ins Genick.

Ein "Ich brauch das Medikament, Verordnungen, Besorgungen etc. sofort", gibt es nicht mehr. Du, als Mitarbeiter musst immer genügend Bargeld mithaben, Bankomatzahlung in der Apotheke ist derzeit nicht möglich.

Viele Abläufe sind verlangsamt, sie kosten viel Zeit und und Kraft. Kreativität und hohe Flexibilität sind erfordert. Wir hören auf in bestimmte vorgegebene Richtungen zu denken und testen neue Möglichkeiten aus um das Beste daraus zu machen. Die Einsatzbereitschaft und Motivation der Kolleginnen ist enorm. Jeder bietet zusätzlich seine Hilfe an. Zeit, Zeit, Zeit, alles braucht seine Zeit.

Szenenwechsel: Betreuung vor Ort.

© FrauXYZ