*Gelb wie Eiter*

  • 156
*Gelb wie Eiter* | story.one

*Pfui Teufel, igith, grausig, puh das stinkt!*

"Ekelhaft, was stimmt den nicht mit dir? Das könnte ich nicht, du warst immer schon eine Sau was das angeht". Solche Sätze höre ich öfters.

Ich arbeite mit chronische Wunden und ich "mag" sie auch. Ich mag es wenn es stinkt, eitert, Füßigkeiten fließen und gatscht. Gibt es eine neue Wunde dann werde ich gerufen. Ich, mit meiner professionellen Nase überrieche das alles. Meine persönliche Hemmschwelle in diesem Bereich ist sehr hoch angesetzt und das spiegelt sich in meinem Pokerface wieder. Keiner meiner Kunden soll sich aufgrund dessen schämen, ich möchte ihnen mit meiner Selbstsicherheit und Professionaliät ebenfalls Selbstvertrauen wiedergeben.

Einige meiner Kunden trauen sich aufgrund der Wunde nicht mehr aus dem Haus. Sie haben Angst vor den möglichen Blicken und Vorverurteilungen der Mitmenschen. Sie verschweigen ihre Probleme, ignoriereren sie und verstecken sich zuhause. Soziale Kontakte leiden sehr oft darunter.

Ich weiß es nicht, bin ich noch immer eine Sau wenn ich einem Menschen dabei helfe mehr Lebensqualiät zu bekommen? Die Kunst ist es den perfekten Verband zu kreieren, eine Balance zwischen medizinischer Notwendigkeit und Bedürfnisbefriedigung des Kunden zu finden.

Beruflich ist es meine Leidenschaft chronische Wunden zu begutachten und zu versorgen. Es versüßt mir den Tag wenn ich sie regelmäßig sehe und deren Veränderungen verfolgen kann. Die absolute Krönung für mich ist es, wenn ich Heilungstendenzen aufgrund der professionellen Arbeit meiner Kollegen sehe.

Wenn der gewünschte Erfolg eintritt, sitze ich voller Stolz im Büro, trinke meinen schwarzen Kaffee aus meinem schwarzen Bestattungshäferl und proste jedem zu der mir begegnet.

© FrauXYZ 24.11.2019