Peace Bruder

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Peace Bruder | story.one

Es sind nur 500m von meinem jetzigen Standpunkt aus bis zum Büro. Zahlt es sich überhaupt noch aus mich anzuschnallen? Ich überlege wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, das mir auf diesem Weg die Polizei begegnen könnte. In dem Ort gibt es zwar eine Polizeiinspektion aber ich spekuliere, dass sie, wenn überhaupt, gerade vor der Volksschule stehen.

Schritt 1: Ich setze mich in mein Auto und drehe die Musik laut auf. Ab jetzt ist es ein Discomobil.

Schritt 2: Ich benötige meine ultra coole Sonnenbrille. Check.

Schritt 3: Meine gespaltene Persönlichkeit und ich beschließen sich nicht anzuschnallen.

Schritt 4: Frau setzt das Discomobil in Gang und hält es zusätzlich noch für notwendig zu telefonieren. Ohne Freisprecheinrichtung versteht sich. Das Argument der kurzen 500m ist einfach zu verlockend.

Schritt 5: Die Polizei begegnet mir auf der Straße.

Und da sehe ich das Auto, es biegt direkt aus einer Kreuzung heraus in meine Richtung. Erwischt! Man sieht eindeutig das ich telefoniere und nicht angeschnallen bin. Ein flottes Anschallen und das Handy in den Schoß fallen lassen ist unmöglich. Ertappt beginne ich breit zu grinsen, es ist eher eine Reaktion auf die offensichtliche Situation. Mein Handy ist zwischen der rechten Schulter und dem Ohr eingeklemmt, ebenso lenke ich mit der rechten Hand. Spontan forme ich mit den linken Fingern ein Peacezeichen. Dabei rufe ich: "Peace Bruder", mehr zu mir als zu den Polizisten. Ich deute eindeutig in ihre Richtung, dabei hebe ich neckisch mein Kinn an. Dieser Moment fühlt sich an wie in Zeitlupe. Jede Bewegung und diese Aktion, ultra langsam. Es besteht Augenkontakt. Beide schauen mich überrascht an. Der Beifahrer hört auf seinen Apfel zu essen, aber es gibt keine weitere Reaktion. Ich blicke mehrmals in den Rückspiegel um mich zu vergewissen, ob doch noch was kommen könnte. Nichts, jeder fährt für sich einfach weiter.

Ich weiß es nicht, entweder habe ich es mir nur eingebildet das sie mich gesehen haben oder aber, sie haben es übersehen wollen. Für den Moment fühle ich mich wie der größte und gefährlichste Verbrecher aller Zeiten.

"Bad boy, bad boy, whatcha gonna do, whatcha gonna do when they come for you!".

Photo by Cleyton Ewerton on Unsplash

© FrauXYZ 19.01.2020