schwere Zeiten

  • 213
schwere Zeiten | story.one

das Handy, es vibriert. Ich sehe auf dem Bildschirm, aber keine Nachricht. Egal, im Fernseher läuft was "interessantes", Abenteuer Leben oder der Trödeltrup. Mama bügelt neben mir die Hemden für meinen Paps,damit er wieder adrett gekleidet in der Arbeit erscheint. Meine Schwester kommt herein sieht auf ihr Handy und teilt uns mit dass mein Onkel einen Unfall hatte. Ich dachte an nichts schlimmes, es war ja nur ein Fahrradunfall, 50 Meter von seinem Haus entfernt.

Weiters erklärt uns meine Schwester er wäre am Weg ins Krankenhaus. Noch immer dachte ich an einen komplizierten Bruch oder vielleicht eine Gehirnerschütterung. Ich sagte ein paar Worte und glotzte weiter in den Fernseher wo meine Mum gerade eine Heimatromanze aufgedreht hat (schon wieder). Dann die nächste Nachricht. Onkel M. dürfte mit dem Kopf gegen das Auto geprallt sein und sein Gehirn beginnt anzuschwellen. Da wurde ich das erste mal so richtig hellhörig, ich fragte nach. Aber leider wusste mein Schwester auch nicht mehr als ich.

Später erfuhren wir dass er Notoperiert wurde und auf der Intensivstation liegt. Die ganze Familie, Geschwister, Eltern, Enkel, fast Alle haben sich im Warteraum versammelt und warten auf mehr Informationen. Dann Infos.... es ist sehr kritisch.

Ich hatte bis dato noch keine Erfahrung mit Intensivstationen gemacht. Ich durfte rein. Er lag in einem offenen Zimmer mit anderen Patienten, angeschlossen an vielen Geräten. Seine Frau hielt seine Hand und betete leise. Ihr Blick war so unglaublich traurig, ich wollte sofort zu weinen beginnen. Ich ging zu Ihm und nahm seine andere Hand, ich betete.

Später machten wir einen Schichtplan damit immer jemand bei ihm ist. Ich teilte mich ein.

Die kommenden Tage waren geprägt von schlechten Nachrichten. Ich fuhr ins Krankenhaus zu meiner Schicht. Meine beiden Tanten waren gerade bei ihm. Meine Mum kam auch. Dann holte uns ein Arzt in ein Hinterzimmer und erklärte uns dass die letzten Reaktionstests negativ waren sein Gehirn nicht mehr reagiert...

Mich traf diese Nachricht wie ein Stich in Herz. Natürlich auch meine Mama und meine Tanten. Obwohl wir uns irgendwie schon darauf vorbereiten konnten und wir wussten dass diese Nachricht kommt, war es als hätte mich ein Lastwagen überfahren. Mich, als seinen Neffen, wie geht es dann seiner Frau? Seiner Schwester? Ich wollte stark sein und versuchte alle ein wenig zu trösten und übernahm die schwere Aufgabe seine Kinder anzurufen. Einer der schwierigsten Telefonate meines Lebens. Ich ging raus, raus aus dem Gebäude um eine zu rauchen. Ich war komplett fertig. Und dann meldete ich mich bei meiner Cousine. Danach dachte ich an meine Eltern, wenn mein Papa da oben liegen würde.... Horror.

Um zu einem Ende zu kommen. Es waren einige der schwierigsten Tage meines (noch relativ jungen, bisherigen Leben.) Ich hoffe es gibt eine Himmlische Blasmusikkapelle und mein Onkel kann seine Zeit im Himmel genießen. Rest in Peace.

© [email protected] 11.06.2019