Das wunderbare Kind - Erstkkommunion

Ein besonderer Tag stand bevor: Erstkommunion!

Es begann damit, daß meine dünnen, strohglatten Haare mittels Zuckerwasser und einer (verhassten) Brennschere - trotz zahlreicher Einwände meinerseits -zu Stoppellocken gewickelt wurden. Das Gerät war aus Eisen, wurde auf dem Herd erhitzt und konnte wunderbar die Ohren verbrennen. Aber ohne Stoppellocken - auch Korkenzieher genannt, ging in meiner Kindheit garnix.

In einem weissen Kleidchen mit Stickereiblumen auf Kragen und Rocksaum und dem obligatorischen Blütenkranz auf dem Lockenkopf sah ich nun nach Meinung der Familie aus wie ein Prinzesschen - und fühlte mich auch so.

In der Kirche standen alle Mädchen, welche das Sakramenet empfangen sollten, mit dicken Kerzen in der Hand vor dem Altar; leider in Zweierreihen.

Mein Platz war - da ich wie meist sehr spät dran - hinter einem Mäderl mit langem blondem Haar, welches wie das Meine anlässlich des Feiertages zu Locken aufgebürstet über ihre Schultern floss. Es war wunderschön, voll, seidig und beinahe hüftlang.

Die Predigt dauert - und dauerte - und meine Andacht verminderte sich von Minute zu Minute. Also begann ich um mich zu schauen um eventuell noch ein bekanntes Gesicht zu erspähen. Leider achtete ich dabei nicht auf die Kerze in meiner Hand.

Plötzlich, ich hatte gerade meinen Kopf nach hinten in Richtung Eingang gedreht - lautes Geschrei. Man riss mir die lodernde Kerze aus der Hand, das Mädchen vor mir wurde mit Wasser übergossen - und ein grausiger Brandgerucht breitete sich aus. Ich hatte das wunderschöne Engelshaar mit meiner unkontrollierten Kerze in Brand gesteckt!!!

Irgendwie war danach nichtsmehr so feierlich wie zuvor. Die Eltern des Mädchens wollten über mich herfallen - was meine Eltern dankenswerter Weise zu verhindern wussten. Der Pfarrer, durch den Tumult aus dem Konzept gebracht offenbar ratlos - die Ministranten versuchten vergeblich, wie die meisten anderen Kinder, ihr Lachen zu verbergen. Ich selbst war völlig verdutzt und hatte keine Ahnung wie ich mich aus diesem Chaos herauswinden konnte. Es gab keinen Weg - ich musste einfach ausharren und die wirklich nicht freundlichen Erwachsenenblicke aushalten.

Nach geraumer Zeit war das Kind erfolgreich gelöscht - zugegeben nichtmehr ganz so hübsch wie vorher - aber in einem Stück und unverletzt. Die Wogen glätteten sich und so konnten wir dann doch noch unser Sakrament empfangen.

Tags darauf traf ich mein "Opfer" in der Schule. Sie fiel mir um den Hals und rief vergnügt: "DANKE! Endlich bin ich meine lästigen Zöpfe los" und schüttelte zum Beweis herzhaft ihren Kopf mit dem neu erworbenen Pagenschnitt.

© Friederike