Schlummerkissen

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Schlummerkissen | story.one

Es war sehr aufregend: nicht nur dass dies mein erster Auslandsposten war - ich sollte nun den "schwarzen Kontinent" kennenlernen. Um dorthin zu gelangen trat ich also den ersten transkontinentalen Flug meines 25jährigen Daseins an. Meine Destination - Lagos/Nigeria - wurde nicht von allzuvielen Fluglinien angeflogen. Es wurde also die Alitalia.

Auf dem Weg nach Rom überflogen wir die Alpen. Es war späterer Morgen und strahlendes Wetter. Die schneebedeckten Gipfel glitzerten im Sonnenlicht und die kleinen Wolkenbäuschchen sahen aus, als könnte man sich in ihnen kuscheln. Ein traumhafter Anblick der mich förmlich überwältigte. So viel Schönheit hatte ich nicht erwartet.

Frohgemut verliess ich den Flieger in Rom um meinen Anschluss zu erreichen. Nun muss ich erzählen dass ich, seit ich denken kann, ein Schlummerkissen benutze. Ohne das Ding kann ich nicht schlafen. Um sicherzugehen dass mein Polsterl auch sicher mit mir ankommen würde hatte ich es als Handgepäck in ein Sackerl gesteckt.

Bei der Sicherheitskontrolle stellte sich heraus dass das Röntgengerät (wir schreiben das Jahr 1973) ausgefallen war. Also wollte man mein Kissen aufschneiden. Das allerdings konnte ich nicht zulassen. Heftig gestikulierend (no parla Italiano) machte ich den Leutchen klar dass eine Verletzung meines Polsters nur über meine Leiche möglich sein würde.

Nach langem (und lautem) Palaver wurde ich missmutig zu einem anderen Gate transferiert um dort meinen Polster des Anstosses zu durchleuchten. Die enttäuschten Minen als sich herausstellte dass ausser Daunen absolut nichts in dem Inlett eingenäht war, waren beinahe lustig.

Das war erledigt, deshalb zurück zum Abflugsgate nach Lagos.

Nun hatte diese ganze Prozedur doch ein wenig Zeit gekostet was zur Folge hatte, dass sich der Abflug um ca. 20 Minuten verzögerte (damals wartete man noch auf Passagiere). Die Blicke die mich trafen als ich endlich den Aeroplan betrat, waren wirklich nicht freundlich. Man wusste : Sie ist Schuld an der Verspätung!!! Ich versteckte mich in meinem Sitz und kam neben einer Gruppe amerikanischer Ölbohringenieure zu sitzen, welche schon seit Jahren immer wieder in Nigeria arbeiteten. Sie nahmen sich meiner wirklich reizend an und erzählten mir nette Geschichten über Land und Leute. Später sollte ich dann feststellen dass diese nicht ganz der Realität entsprachen. Der Aufenthalt in Lagos war wirklich kein reines Vergnügen - trotz Sonne und Strand.

Wie auch immer: wir kamen pünktlich an, der Pilot hatte die Verspätung dank freundlicher Winde aufholen können.

Ich nahm also mein Polsterl unter den Arm und ein neuer Abschnitt meines Lebens begann. Den hätte ich ohne meine Schlafhilfe sicher nicht bewältigen können, denn manchmal war das Polsterl mein "Leo" - ein vertrauter Gegenstand der mich beruhigte und der auch etwaige Tränen aufnahm.

Das Kissen begleitet mich noch heute - wohin auch immer....

© Friederike 03.08.2019