Soylent Green......Jahr 2022

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Soylent Green......Jahr 2022 | story.one

Ich kämpfe ein bisschen mit mir ob ich diese Geschichte veröffentlichen soll. Sie ist nicht ganz so einfach zu erzählen. Ich bin ein lebensfroher Mensch. Aber, aber, aber....nun gut.

Im Sommer 2019 sitze ich mit meiner langjährigsten Freundin an der kleinen Seepromenade. Wir haben uns noch eine Tüte Eis gekauft und schauen auf den Sternenhimmel. Wir kennen uns seit der 1. Klasse Volksschule. Obwohl unser Leben ganz unterschiedlich verlaufen ist haben wir uns nie verloren.

Wir sind sehr einfach aufgewachsen. Durch Sie kam ich in das Internat gemeinsam mit Ihr. Was für mich eine tolle Sache war. Wir haben im gleichen Jahr geheiratet innerhalb von 14 Tagen ohne es abzusprechen. Unsere Väter starben innerhalb von 14 Tagen. Warum auch immer. Wir kennen uns gut. Uns verbindet sehr viel. Sie ist eine Frau mit Handschlagqualiät ohne Allüren oder Zickigkeiten.

Wir schlecken unser Eis und sie fragt mich -

Wann ist alles so anders geworden? -

Wie anders, frage ich zurück.

Na halt so schnell, so hektisch so unruhig, irgendwie anders.

Mit dem Internet, glaube ich. Da hat es begonnen. Plötzlich wußte jeder auf der Welt was grad los war. Ob im hintersten Busch in Papua Neuguinea oder am letzten Zipfel in Afrika. Wenn in China ein Fahrrad umgefallen ist oder der König von Tonga Verdauungsprobleme hatte.

Die meisten Menschen können mit der Flut der Überinformation nicht umgehen. Man muss nicht immer erreichbar sein, aber jeder glaubt es. Es ist eine Unhöflichkeit ausgebrochen, mit dem immerwährenden auf das Handy schauen.

In meinem Bekanntenkreis habe ich noch nieeeee erlebt, daß wirklich etwas so wichtig war, daß es nicht auch noch hätte warten können. Ja wir leben in der Zeit in der wir leben und so ist es nun einmal geworden. Deswegen muss ich das aber noch lange nicht gut finden.

Es gibt Seminare für digitales Detox. Alter Schwede. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen - aber man kann damit anders umgehen.

Zurück zum Titel. Soylent Green ist ein Sience Fiction Film aus dem Jahr 1973. Einmal gesehen nie vergessen. Es geht um das Jahr 2022....da haben wir nicht mehr lange hin. Der Film hat mich schon damals bis ins Innerste betroffen gemacht.

Es geht um Überbevölkerung, Ernährung, um alte Menschen und um die von uns zerstörte Natur. Ein düsterer Film, gruselig und so gut gemacht.

Soylent Green sind die Kekserl von denen sich die Menschen noch ernähren können. Mehr sage ich nicht dazu.

Wenn alte Menschen sterben wollen gehen sie in ein Institut, legen sich auf das Bett hören klassische Musik und schauen einen Film. Wiesen mit Rehen, Wälder, Blumen und Auen, Wasserfälle und klare Seen mit Fischen. Eisberge, die Steppe, die Wüste, das Meer ....die Erde, einfach wunderschön. Man kriegt Gänsehaut und Tränen steigen auf.

Nie wieder wurde der Film gezeigt. Der sollte in den Schulen und den Wirtschaftsleuten gezeigt werden - die haben doch auch Kinder und Enkelkinder.

Das Leben ist schön! Die Erde ist schön. Ich bin gerne da.

Corona ist nur ein Schuss vor den Bug.

© Gabi W. 29.06.2020