Heiß auf Wechsel

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Heiß auf Wechsel | story.one

Ich stand als dritte in der Schlange an der Kassa. Während ich in der linken Hand die bunten Aufkleber und eine Packung Filzstifte hielt, versuchte ich mit der anderen Hand die Kundenkarte aus meiner Handtasche herauszufischen.

Der Herr ganz vorne bezahlte und verschwand durch die Tür. Eine Welle Frischluft streifte mich, kurz bevor sie sich wieder schloss.

Nun war auch die Dame unmittelbar vor mir fertig, packte ihre Sachen ein und ich rückte nach. Freundlich lächelnd scannte die Kassiererin die von mir ausgewählten Produkte – und da merkte ich es bereits.

Einen Sekundenbruchteil bevor es losging, stieg ein unbehagliches Gefühl in mir hoch. Gefolgt von einer inneren Hitze, die ausgehend von meinem Brustraum bald den ganzen Oberkörper erfasste. Mein Herzschlag schaltete einen Gang höher und es pochte von innen wie wild gegen meine Rippenbögen.

„Haben Sie eine Kundenkarte?“, fragte die Kassiererin routiniert und ich überreichte sie ihr.

Aus jeder einzelnen meiner Poren drang mittlerweile Feuchtigkeit. Ich spürte es ganz deutlich wie sich auf meiner Stirn feine Tröpfchen bildeten. Hektisch öffnete ich meine Jacke und lockerte den Schal. So muss sich ein Druckkochtopf fühlen!

Die Frischluft, die durch die sich immer wieder öffnende Eingangstüre hereinströmte, brachte mir nur dürftig Abkühlung, also kramte ich in meiner Handtasche nach dem rettenden Fächer.

„11 Euro 95 bitte“, ging es ans Bezahlen.

Bevor ich meine Geldbörse öffnete, fächelte ich mir noch etwas kühle Luft zu. Anders glaubte ich es nicht aushalten zu können. Ich fühlte mich wie in der Sauna beim Aufguss – und das voll bekleidet!

„Ist Ihnen so heiß?“, fragte mich die Kassiererin und sah mich ganz erstaunt an.

„Nein, mir ist nur langweilig!“, dachte ich, sagte aber: „Ja, ich bin im Wechsel!“, und fächelte weiter, bezahlte und packte meine Sachen ein.

Dann verabschiedete ich mich und verschwand schnellstmöglich durch die Tür. Draußen atmete ich einmal tief durch, zog den Schal vom Hals und wischte mich mit einem Taschentuch ab. Unglaublich, wie schnell so eine Hitzewallung über mich herfällt. Von Null auf Hundert in weniger als fünf Sekunden!

Unter meiner Jacke klebte der Pulli an mir fest, sogar an meinen Unterarmen! Bis runter zu den Zehen konnte ich die Hitze in mir spüren.

Doch schon einige Augenblicke später zog sich die Wallung langsam wieder zurück, das feuchte Gefühl jedoch blieb. Als mein Körper wieder Normaltemperatur erreicht hatte, begann es mich sogar zu frösteln.

Also schlang ich den Schal wieder um meinen Hals, schloss die Jacke und machte mich auf ins nächste Geschäft.

Heiß - Kalt gibt mir das Leben zur Zeit. So ist es eben in den Wechseljahren!

© Gabriela-fgh