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Burgerl

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Burgerl | story.one

Walburger Maria Bittner geborene Winkelmayer war meine Schwiegergroßmutter. Sie wurde am 25.2 1919 geboren und lebte bis 7.6. 2003. Als lediges Kind von Maria Winkelmayer und dem Bergbauern Anselm Bierbaum hatte sie einen schweren Start ins Leben. Ihre ersten Jahre verbrachte sie bei ihrer Stiefmutter und bei ihrem Vater auf einem Bauernhof hoch oben auf dem Berg in der Stanz. Der Schulweg von Burgerl und ihren vielen Stiefgeschwistern war lang und beschwerlich. Vor der Schule mussten die Kinder mithelfen die Tiere zu versorgen und deshalb begann ihr arbeitsreicher Tag um 4 Uhr morgens und endete oft erst spät abends.

Als Burgerl 15 Jahre alt war machte sie sich auf die Suche nach ihrer Mutter. Diese lebte nur wenige Kilometer entfernt in der Veitsch. Dort konnte sie aber nicht bleiben und wurde weitergereicht zur Spuller-Tant nach Wartberg. Die Tante Hanni war die Schwester ihrer Mutter. Bei ihr durfte Burgerl bleiben und als Stalldirne arbeiten.

Mit 18 lernte sie Franz Bittner kennen. Seine Familie hatte eine Schlosserei und einen Werkstättenbetrieb in Mitterdorf. Franz arbeitete für seinen Vater und wird einmal den Betrieb übernehmen.

Die Tante Hanni arrangierte die Ehe mit Franz Bittner als sich ein Baby ankündigte. Nach der Hochzeit wohnten Burgerl und Franz bei den Schwiegereltern. Sie bekamen vier Töchter und leider keinen Sohn, der den Betrieb weiterführen sollte. Aber die älteste Tochter erlernte den Schlosserberuf, nicht ganz freiwillig, und übernahm später die Firma.

Der Zweite Weltkrieg verschonte auch diese Familie nicht. Als die Russen durch Mitterdorf zogen verbreiteten sie Angst und Schrecken. Burgerl ist mit ihrer Schwägerin und den Kindern in die Veitsch auf den Berg zur Großmutter geflüchtet. Das war ein steiler und rutschiger Weg, den sie zu Fuß bewältigten. Die Schwägerin hatte ihre Tochter in einen Einkaufskorb gepackt. Sie waren auf der Flucht, also sehr in Eile, als die Schwägerin ausrutsche und der Korb mitsamt dem Baby über die Wiese den Berg hinunterkullerte. Der Schrecken war groß aber außer ein paar Abschürfungen ist dem Baby nichts passiert. Sie verbrachten im Frühjahr 45 fast 3 Monate beim Joglbauern. Dort gab es für alle zu essen und sie waren vor den Überfällen der Russen sicher.

Burgerl blieb immer bescheiden und lebte im Schatten ihres Mannes. Sie war eine kleine zierliche Frau die immer für ihre Töchter da war und die ihren Mann in seiner Firma tatkräftig unterstützte. Ihre Töchter haben ihr 6 Enkelkinder geschenkt. Die älteren ihrer 14 Urenkelkinder können sich noch daran erinnern wie sie bei ihrer Urli auf dem Schoß gesessen sind.

© Gabriele Koubek 2020-11-21

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