Fetzenflieger

Ich weiß jetzt ganz genau was ein Fetzenflieger ist. Ich sitze in einem. In Uganda buchen wir einen Flug vom Murchison Falls Nationalpark nach Kihihi. Auf dem Flugplatz, von dem wir abfliegen, sind keine anderen Fluggäste zu sehen. Es ist überhaupt niemand dort außer einer Frau in einem sehr staubigen Rock von C&A und einem löchrigen Pullover. Sie hat eine kleine braune Handtasche am Arm und will uns Eintrittskarten für den Nationalpark verkaufen. Wir sind aber schon mitten im Park und haben gültige Tickets. Sie bleibt trotzdem in der Nähe und beobachtet uns Bleichgesichter.

Unser Flugzeug steht irgendwo neben der Piste. Es ist auch egal wo es steht, denn es ist das einzige auf diesem Flugplatz. Wir fahren mit unserem Safari Auto bis zur Öffnung im Flieger in der das Gepäck verstaut wird. So muss niemand unseren Koffer weit tragen. Als alles verstaut ist versucht der Pilot die Lücke zu schließen. Das gelingt, mit einem sehr kraftvollen Schub, schon beim dritten Versuch. Ich habe Mitleid mit dem Flieger, der jetzt sicher ein Schleudertrauma hat. Aber mir wird versichert, dass das Flugzeug von viel Schlimmeren berichteten kann, da es bereits seit den 1960iger Jahren unterwegs ist.

Innen gibt es 6 Sitze. Zum Glück sind wir nur zu viert, denn ob wir mit einer Beladung von 6 gut genährten Mitteleuropäern vom Boden abgehoben hätten erscheint mir unwahrscheinlich. Beim Anlegen der Gurte hat mich der Pilot unterstützt und mir dabei erklärt, was alles nicht notwendig ist. Am Ende hatte ich nicht mehr als einen besseren Gürtel um den Bauch. Nach einer weiteren Einschulung was alles nicht funktioniert nimmt auch der Pilot Platz. Mit Hilfe von außen lassen sich die Türen, schon nach wenigen Versuchen, schließen.

Jetzt habe ich fast zwei Stunden Zeit mir das Flugzeug von Innen anzusehen. Es ist alles sehr stark abgegriffen und sehr dreckig. Wie der Pilot es schafft seine weiße Fantasieuniform nicht schmutzig zu machen, bleibt ein Rätsel.

In den Ablagetaschen, die halb heruntergerissen sind, steckt eine halbleere Wasserflasche, eine Rolle Klopapier und ein paar Sackerln, falls man einen nervösen Magen hat. Ich hoffe, dass der Motor der Maschine besser gewartet ist als die Inneneinrichtung. An der Decke hängen die Reste eines Lüftungsgeräts. Lauwarme Luft bläst ungehindert und absolut ungefiltert auf meinen Kopf. Jetzt wird mir klar, wozu die, sonst funktionslosen Kopfhörer dienen die ich aufhabe. Sie schützen die Ohren vor Zugluft.

Der Flug ist sehr ruhig und ohne Zwischenfälle. Der Pilot beherrscht diese Reste einer Flugmaschine aus der guten alten Zeit. Nach der Landung muss ich mich trotzdem sehr beherrschen um nicht, wie der Papst, den Boden zu küssen.

© Gabriele Koubek