Kuba

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Kuba | story.one

Das Kinderzimmer

Gesehen auf der Insel Kuba, im Dezember 2013, kein Wind und kein Regen nur erbarmungslose Hitze. Mein Dank geht an Hemingway, der gleich zwei wirksame Mittel gegen das schwüle Klima gefunden hat. Sein Spruch war: “My Mojito in La Bodeguita. My Daiquiri in La Floridata.“

Die meisten Menschen auf dieser Insel sind arm. Es gibt eigene Geschäfte für die Einheimischen wo Bohnen und Reis und manchmal auch Zucker gekauft werden kann. Sonst gibt es dort nichts außer verstaubte, leere Regale. Die Geschäfte mit den Waren sind nur für Ausländer mit Dollars. Dort kann man den berühmten Rum in allen Preisklassen kaufen.

Obwohl die Kubaner keinen Alkohol legal kaufen können fließt er in Strömen. Bei den Festen wird getanzt gelacht und gesoffen.

Eine der Attraktion sind kubanische Zigarren. Sie werden in die ganze Welt exportiert.

Auf Empfehlung verschiedener Reiseführer machen wir auf unserer Rundreise einen Besuch bei einem Tabakpflanzer.

Der Besitzer sieht aus wie ein Cowboy aus dem Fernsehen, allerdings ist er völlig staubfrei. Er begrüßt uns freundschaftlich und stellt uns seine Tochter vor. Das Mädchen ist etwa fünf Jahre alt und geht noch nicht in die Schule. Wie ihr Vater spricht sie ein perfektes Englisch. Auf ein Zeichen des Vaters hin zeigt sie uns ihr Kinderzimmer. Wir durchqueren eine Küche. Dort steht ein uralter Tisch und zwei wackelige Sesseln. An der Wand hängt ein alter vergilbter Kalender. Der Herd ist mit Holz zu beheizen und Wasser gibt es im Brunnen vor dem Haus. Es sieht sehr ärmlich, sauber und unbenutzt aus. Das Kinderzimmer zeigt dasselbe Bild. Ein Stahlrohrbett auf dem ein gehäkelter Bettüberwurf liegt und ein abgegriffener Teddybär sitzt. In der Ecke steht ein sperrmülltauglicher Puppenwagen aber drinnen sitzt eine Käthe Kruse Puppe.

Uns wird klar, dass dies hier ein Schowbauernhof ist.

Die Tochter des Tabakpflanzers lebt in zwei Welten. In der einen zeigt ihr Vater den Reisenden seinen Bauernhof mit einfachster Einrichtung und alten halb verfallenen Gerätschaften, einen löchrigen Stadel zum Trocknen der Tabakpflanzen und seine Tiere zu denen auch Pfauen und jede Menge Zierhühner gehören.

Die andere Welt der jungen Dame kann man nur erahnen. Sichtbar für uns sind nur die teuren Markensneaker und die Designerkleidung die sie trägt. Untypisch für kubanische Bauern sind auch Details an der Kleidung ihres Vater, eine ray ban Sonnenbrille, einen Gucci Ledergürtel und die Rolex am Handgelenk. An seinen Gummistiefeln ist kein Schmutzfleck zu sehen und seine Hände zeigen eine regelmäßige Maniküre. Ich denke seine Geschäfte mit dem Tabak und den Touristen gehen sehr gut.

Wo die Beiden wirklich zu Hause sind und wie das echte Kinderzimmer aussieht werden wir wohl nie erfahren.

© Gabriele Koubek