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Myanmar

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Myanmar | story.one

Myanmar Kyaik-htiyo-Pagode

Gesehen in Myanmar oder Burma oder Birma im Februar 2012. Es ist so heiß, dass wir uns über jeden Windhauch freuen. Ab 40 Grad gehen dann auch die Burmesen langsam in den Schatten.

Wir besuchen den Goldenen Felsen. Er liegt auf einem Berg bei dem Städtchen Kyaikto im Mon-Staat und ist eine der heiligsten buddhistischen Stätten in Myanmar.

Seit 1000 Jahren, so erzählt es die Legende, hält ein einziges Haar Buddhas den Goldenen Felsen im Gleichgewicht. Mon-König Tissa, Sohn eines Magiers und einer mythischen Prinzessin, soll dieses Haar im 11. Jahrhundert von einem Eremiten erhalten haben.

Den ersten Teil des Aufstiegs zur goldenen Pagode fahren wir. Auf der Ladefläche eines Lastwagens werden wir mit 40 weiteren Personen hinaufbefördert. Es ist wie Geisterbahnfahren und Hochschaubahnfahren in einem. Ich habe den Eindruck, mit den Tieren wird hier achtsamer umgegangen als mit uns Menschen.

Den zweiten Teil des Weges muss man zu Fuß gehen oder sich von 4 kräftigen Burschen in einer burmanischen Sänfte tragen lassen. Aber das war sogar mir zu dekadent.

Am Straßenrand wird gewohnt, gekocht und gegessen. Frisch gepresster Zuckerrohrsaft, gekochter Reis, Fisch und vieles mehr wird hier verkauft. An den Ständen traditioneller Apotheken sind Wildziegenköpfe, Bärentatzen, Schlangen zu sehen, aus denen in der Hitze das Fett für den Medizinsud tropft. In Flaschen abgefüllt, mit Alkohol übergossen, noch ein paar Tausendfüßler und Rinde dazu, wird ihm eine heilende Wirkung zugesprochen.

Nach dem fast einstündigen Aufstieg erreichen wir den mit Blattgold bedeckten Felsen. Er balanciert am Rande eines Abgrunds. Von hier aus eröffnet sich ein herrlicher Ausblick auf die umliegende Berglandschaft.

Der Goldene Felsen ist ein ganz besonderer Ort. Die Atmosphäre ist magisch. Ausländische Touristen sind dort in der Minderzahl. Pilger und Mönche sind bei ihrer Andacht und religiösen Ritualen zu sehen. Männer hocken dicht gedrängt an der Unterkante und kleben Blattgoldplättchen auf den Felsen. Frauen ist das versagt, den Stein dürfen sie nicht berühren. Sie knien betend in der Nähe, eingehüllt in den Rauch von Kerzen und Räucherstäbchen.

Es kommen jeden Tag sehr viele Pilger und auch einige Fremde an diesen heiligen Ort und alle müssen essen.

Ein Mädchen sitzt mit vielen anderen am Wegrand zur goldenen Pagode. Sie verkauft gebratenen Fisch. Ihre Geschäfte gehen gut und sie sieht zufrieden aus. Trotzdem preist sie ihre Ware mit lautem Geschrei an. Sie versucht die lauteste zu sein um Kunden anzulocken. Wir kaufen bei ihr. Ihre Kleidung ist sehr sauber und gepflegt. Die pechschwarzen Haare hat sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

Nur ihre Augen sind nicht bei der Sache. Sie blicken in eine für uns unsichtbare Welt. Zu gern wüsste ich wovon dieses birmanische –burmesische Mädchen träumt.

© Gabriele Koubek 21.09.2019

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