Drama voraus!

Wir machen trotz wechselhaften Wetters einige Tage Urlaub am Putterersee, einem kleinen See im Ennstal, mit sauberem Wasser und Unterhaltung: vor dem Strandbad schwimmen zwei Inseln, zum hinfahren werden zwei Tretboote angeboten, eins davon sogar mit Rutsche. Ruderboot und drei Surfbretter mit Paddeln liegen am Ufer, und wenn man einfach nur ins Wasser schwimmen geht, kann man den 4 Meter Sprungturm erklimmen, und überall am langen Steg mit vielen Leitern wieder aus dem Wasser raus... Zum Trocknen gibts jede Menge Liegen. Sogar eine kleine, schwimmende Sauna - so etwas hab ich noch nie gesehen! -

Die üblichen Sanitäranlagen sind selbstverständlich, Holzkabinen und eine Trampolinanlage, zum aufwärmen nach dem schwimmen, runden das Erlebnis ab.

Alle diese Angebote sind aber nicht so interessant, wie das Drama, das die Natur heute zu bieten hat: Vom Strandbad aus kann man alle Ufer gut sehen. Da kommt von Osten her eine Entenmama mit ihren vier Babys geschwommen. "Da kommt mein Abendessen!" ruft ein unsensibler Mann aus dem Buffet herüber, vor dem ein großes Bier steht.

Die Kinder ignorieren ihn, laufen aufgeregt zusammen. Die kleinen Entlein schwimmen weiter, als sich die Mama auf einen kleinen Steg am Ufer setzt, und wir alle schauen zu, als sie beginnt, ihr Gefieder zu putzen.

Aber - einer der beiden Füße ist verletzt! Sie humpelt, und auch der Flügel scheint gebrochen.

Sie humpelt hinauf auf die Wiese und weiter zum Buffet, dort sitzen heute wenig Menschen, weil es immer wieder regnet. Gemeinsam wird überlegt, was zu tun ist. Tierarzt? Wir sind alle Sommergäste, haben verschiedene Vorschläge.

Bei uns in Wien würde die Tierrettung kommen, das Tier mitnehmen, verarzten und dann vielleicht wieder freilassen.

In Deutschland ist das ganz anders - und hier?

Die Entenbabys werden inzwischen ein Stück weiter am Ufer mit Weißbrot gefüttert. Ob die wohl schon alt genug sind, ohne Mama auszukommen, überleben zu können?

Weißbrot - so die Diskussion im Buffet - ist ganz sicher nicht das richtige! Was fressen Enten eigentlich? Salat. Und Körner? Regenwürmer jedenfalls, vielleicht Käfer. - Da geh ich zum Steg, wo gestern eine Familie zwei Stück Pommes liegen hat lassen, versteckt unter den Liegen. Man kann den Ketchup noch gut erkennen, obwohl es schon einige Male drauf geregnet hat - ganz weiß und weich sind die kleinen Kartoffelstäbchen. Ich werfe beide neben die Ente... die stürzt sich gierig drauf, hebt sie aus dem Gras mit dem Schnabel auf und schlingt sie hinunter, eins nach dem anderen.

Der Bademeister kommt vorbei, hat gerade keine Zeit, kommt aber nachher zu uns, um uns zu antworten: Was kann man machen in so einem Fall, wie der armen Ente helfen? Gibt es überhaupt einen Tierarzt in Aigen, der am Samstag arbeitet?

Der Bademeister kommt zurück - gibt kurz Auskunft, hastet weiter, hat keine Zeit für lange Erklärungen - seine macht betroffen:

Er hat den Jäger angerufen. Die Ente ist ein Wildtier, und der Jäger wird sich drum kümmern...

© GabrieleZauner