Fortnite

"Mama bitte, nur noch die eine Runde!" schallt es aus der Küche. "Nein." bleibe ich konsequent. Er hat schon 4 Minuten überzogen, die 1 1/2 Stunden pro Tag, die er Computer spielen darf, die werden ganz genau gerechnet.

Die hat früher beim Laptop aufdrehen begonnen, und danach wurde pünktlich abgedreht. Nun braucht der Computer, nach vielen updates, schon allein zum Hochladen 40 Minuten. Dann erst beginnt die Spiel-Zeit. Der Beginn auf der Küchen-Uhr wird mit der im Wohnzimmer genau verglichen - "Jetzt gehts los, Mama, es ist genau halb 7!" - Und immer öfter hört er dann um 8h wirklich freiwillig und ohne endlose Mahnungen auf, wenn ich ihm für den nächsten Tag Spielverbot androhe.

Dann ist er aber auch schon "in einer Runde drinnen"... hat Mitspieler gefunden und schießt sich seinen Weg brutal frei zum nächsten Ziel. Das Handy machts möglich, daß man die Mitspieler bis hierher ins Wohnzimmer hört.

Besonders laut sind die Stimmen, besonders hoch kochen die Emotionen, wenn sich einer verraten fühlt: in die Falle getappt, wird der Gegner plötzlich doch nicht erschossen - der eigene Partner hat sich plötzlich mit ihm verbündet! Da wird laut diskutiert - geschimpft - Loyalität eingefordert. Wie im echten Leben. Ich tröste mich: Soziales Lernen ist das!

Und je nach WLan Leistung jammert der eine oder andere Spieler: "... Nein! Es laaaackt!!" Weil:

Ein vom Erschießen bedrohter Spieler sollte sich verstecken, aber: Wenn das Internet in diesem Moment nicht stark genug ist, die komplizierte Grafik darzustellen, dann kann der Spieler sich nicht bewegen, die nächste PumpGun zerfetzt den Skin meines Sohnes, seinen Körper...

So weit bin ich schon, nach vielen Diskussionen mürbe geworden, kann ich nur hoffen, daß diese Brutalität des Spieles ihn - hoffentlich - nicht brutal macht, im wirklichen Leben.

Dann hat dieses Spiel - anfangs "klar, kostenlos, Mama, natürlich!", plötzlich begonnen, Geld zu kosten. "Nur 25 Euro, Mama, bitte!" - und er legt mir schon das Kleingeld aus seinem Sparschwein auf den Tisch. "Schau, da... Bitte, gibst mir deine Kreditkarte?"

Nein. Die Kreditkarte hab ich noch nicht aus der Hand gegeben, aber die Karten-Nummer habe ich ihm angesagt, damit mein Sohn die Uniform, die hier skin genannt wird, kaufen kann, oder die neue Waffe... oder den neuen Tanz. Schon in den letzten Sommer-Ferien, so scheint mir, haben sich die kids gegenseitig erkannt, wenn sie so einfach vor sich hin die gestreckten Arme parallel nach rechts, dann nach links am Körper vorbei schlenkern. Die Arme werden aber nicht nur von den über 16- oder 18-jährigen Teenagern geschwenkt, für die so ein "Battle Royal"- die "Königliche Schlacht" gedacht ist: Besonders keck wird der Po von Jungs und Mädchen unter 10 Jahren zur Seite geschoben, wenn so cool - sympatisch! -getanzt wird.

Juhuu! - Da hüpft der coole Junge glücklich durch die Wohnung, ruft mich in die Küche, damit ich den neuen Skin und den Tanz bewundern kann. Da ist er glücklich, bis ".. es laaackt!!"

© GabrieleZauner