Getrennte Schlafzimmer

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Wir waren 16, verliebt seit dem Fasching 1979, und im Juni planten wir, kurz vor Schulschluß, einen ersten gemeinsamen Urlaub. -

Ich war schon öfter allein weg gewesen, auf verschiedene Ferienlager verschickt worden. Aber Christian befürchtete ein klares NEIN von seinen Eltern.

Griechenland lockte uns, das Ticket nach Athen war schon zusammen gespart... in den Siebziger Jahren war das noch kein kurzer Flug, sondern eine Reise über mehr als 20 Stunden, mit der Bahn über Belgrad, mit langen Wartezeiten an den vielen Grenzen, in überfüllten Waggons, und Klimaanlagen kannte man noch lange nicht....

Das schreckte uns nicht. Die größte Hürde war, die Genehmigung von Christians Vater zu bekommen.

Zunächst eröffneten wir unsere Pläne seiner Mutter, die die Bedenken ihres Mannes kannte. Es müßten, so meinte sie, getrennte Quartiere für Mädchen und Jungs sein...

So wie sie die Jugendherbergen kannte, sollten wir diese Buchung vorbereiten und dann ihren Mann im Büro aufsuchen. Sie wolle dann mitgehen und uns unterstützen.

Zwar hatten wir bereits die ganze Reise genau geplant, uns schon den Campingplatz Dafni nahe Athen ausgesucht - doch wenn das der Preis war, mußten wir wohl in Kauf nehmen, diese Vorschläge anzunehmen. Wir gingen in die Schottengasse, wo damals das Jugendherbergswerk sein Büro hatte.

Wir erzählten unsere Situation und trafen auf verständnisvolle Mitarbeiter - und wir verließen das Büro nicht nur mit einer Reservierung für "1 Platz Mädchen und 1 Platz Jungen" in den beiden Schlafsälen der Jugendherberge Athen, sondern auch mit einer handschriftlichen Bestätigung, daß die beiden Säle sich in verschiedenen Etagen befinden sollte.

Mit der Unterstützung von dessen Gattin bekamen wir einen Termin bei der Sekretärin des Herrn Direktor - er erlaubte nach Begutachtung der von uns präsentierten Unterlagen gnädig die gemeinsame Fahrt.

Die Anreise zum Südbahnhof erfolgte getrennt- das Zelt versteckte ich vorher im Bahnabteil, weil sich Christians Mama kurzfristig entschloß, ihn zum Bahnhof zu begleiten.

Es folgten noch viele gute Tipps, Ratschläge und ein tränenreicher Abschied. Als der Zug anfuhr und wir glücklich winkend aus dem offenen Zugfenster hingen, rief mir Christians Mama zu, worauf ich heute noch ein bißchen stolz bin: "Paß gut auf auf ihn!".

© GabrieleZauner