Nasse Sachen

Das letzte Frühstück im Urlaubshotel. Ich trete daraufhin zum letzten Mal auf meinen Balkon und schaue hinunter - auf den Parkplatz, zum Swimmingpool, aufs Meer hinaus. Die ersten Liegen sind mit Handtüchern belegt, die Hitze flimmert schon jetzt. - Die nassen Badesachen sind über Nacht getrocknet - gut daß wir sie gestern Abend so konsequent draußen aufgehängt haben! So können die jetzt auch in den Koffer.

Damit ist der fertig gepackt, die Geschenke vom Markt haben nicht mehr hinein gepaßt: drei Viskose-Schals mit Glitzer, in rot, olivgrün und hellblau, zu je 2€ - die farblich hellblau passenden Ohrklips, gleich 3 Paar, die waren billig, und da verliert sich ja immer wieder einer... Als der Verkäufer mich beim Stand bedeutsam anschaute und sagte "eeecht Türkiss!", da wußten wir beide, daß ich das Spiel kannte... für 15€ hat er alle drei Paar hergegeben.

Schließlich noch 10 Armbänder mit Glitzerperlen auf Gummizug, alle zusammen um 5€, als Geschenke für die nächste Kinder- Geburtstagsparty.

Wohin mit all dem? Mein stabiles Papiersackerl bietet sich an, mit Karton-Boden, das führe ich schon länger im Außenfach des Koffers mit. Die beiden kleinen Fußbälle unten hinein, dazwischen die Schmucksackerl, und oben drauf die Schals... so kann nichts herausfallen.

Das Mietauto fährt uns zum Flughafen, mein Sohn liest nochmals die Anleitung: diesmal nicht zu den "Rental Cars", sondern in den 3.Stock des Parkhauses. Dort zwischen Sektor G und H einen Platz suchen, den Schlüssel samt Parkticket in den Kofferraum geben und zumachen. Komisch, nicht erwartet zu werden mit dem Auto - aber die Wagen von V. waren bisher direkt im Urlaubsort immer verläßlich - und es müssen ja Kosten gespart werden, wenn diese Firma kaum die Hälfte verlangt von der Mietgebühr der anderen, die einander im Erdgeschoß des Parkhauses übertrumpfen, konkurrieren mit Eiswasser-Spendern, Kinderspiel-Räumen, viel Personal in grünen und orange-schwarzen Uniformen, und immer neuen Geschenken: Sonnenbrillen, Knirps- Schirme oder Hüte. Die Wahl ist mir nicht schwer gefallen, darauf zu verzichten und viel Geld zu sparen.

Ein Parkplatz findet sich leicht. Der Rucksack mit den Trinkflaschen ist auf dem Rücken, die beiden kleinen Koffer werden zum Ausgang des Parkhauses gezogen, das Papiersackerl ist ganz leicht in meiner Hand.

Im Flieger meldet sich der Kapitän: wir fliegen heute über Nizza, Slowenien und Graz, in Wien regnet es derzeit, morgen soll schönes Wetter sein, es ist ja Sommer.

Beim Aussteigen bei den ersten, gehen wir vorbei an den Gepäcksbändern - wieder nicht warten müssen, hihi, und kein Risiko, daß was nicht ankommt! Wir haben alles bei uns, im Handgepäckskoffer, im Papiersackerl. Da drin sind meine Schätze!

Wir gehen zum Cat, zur Ubahn. Dann sind es nur mehr ein paar Schritte in unsere Gasse...

Auf der Straße setzt plötzlich ein Regenguß ein. Wir laufen, mein Papiersackerl löst sich gleich auf...

Daheim haben wir viele nasse Sachen -zum Aufhängen.

© GabrieleZauner