Rettung

Urlaub. Die ganze Woche faul sein oder auch nicht, wie ich mag. Das Mietauto steht draußen am Parkplatz. Das ist echte Freiheit im Urlaub!

Einfach am Strand liegen und Geschichten lesen, selber schreiben... so sind die ersten zwei Tage meines Urlaubs schnell vergangen.

Gestern nachmittag hat uns dann ein plötzlich aufgetauchtes Gewitter doch vom Strand verjagt: Ein paar Tropfen zunächst aus der dunklen Wolke, solche gab es schon öfter, dann wieder Sonne - wir waren bisher immer sitzen geblieben. Gestern ist aber dann die dunkle Wolke geplatzt.

Dicke Regentropfen, immer mehr, immer dichter. Also doch aufstehen vom Liegestuhl, schnell alles einpacken, was nicht naß werden soll: Buch, Handy, Taschentücher, Armbanduhr, und die Kleidung einfach in die Tasche gestopft... die Badetücher über den Kopf - noch ein kurzer Blick zurück - nix vergessen? Die Nachbarn haben noch ihre Sachen liegen, alles wird naß... wo die wohl sind... und dann - rennen!!

Die Flip Flops rutschen, also bloßfüßig weiter, durch die Lacken, die sich im dichten Gras gebildet haben. Schmutzig spritzt die Erde hoch an meinen Beinen, ich finde daran Gefallen: als Kinder sind wir doch auch vergnügt mit Gummistiefeln in die Lacken gestapft... Ich stapfe in dieselbe Pfütze, werde fast umgerannt von einem hinter mir drängenden älteren Paar. Brav laufe ich weiter... die Kleider und Haare der nachkommenden Mädchen triefen schon vor Wasser...

Das rettende Vordach ist erreicht. Aufgeregte Mütter mit Kleinkindern besetzen den Billiard- und den Pingpong Tisch, bis zum Hotel-Eingang wären es im Freien noch einmal 50 Meter.

Kleine Hagelkörner hüpfen nun auf den Tischplatten der Hotel- Bar, die erst abends aufsperrt. Dicht gedrängt unter dem Vor-Dach, wagt sich keiner hinaus.

Da rettet uns Kellner Martin. Ungeachtet einer kleinen Wasser-Welle, die unsere Füße gerade überschwemmt, öffnet er die Glastüren zur Bar, die Wasser-Welle dringt einige Zentimeter hinein. Martin hat einen Teppich mitgebracht, legt ihn einfach drauf...

Der Weg da durch ist trocken, rettet mich, uns alle, vor dem Gewitter - der kurze Weg geht zur Rezeption und weiter zu den Aufzügen. - Es wird mit nassen Füßen rutschig sein auf dem Marmor-Boden. Ich gehe sehr vorsichtig, als erste, lasse alle anderen hinter mir, heulende Kinder und aufgeregte Mamas inklusive.

Oben in meinem Zimmer wartet die warme Dusche, schwemmt Gras und Erde wieder weg. Schade eigentlich.... Es war doch nur Wasser. Die Hagelkörner waren nur winzig... Warum sind wir alle so panisch geworden? Vielleicht durch den Donner, den dichten Regen... es sind einfach alle losgelaufen, so auch ich.

Einen Augenblick spiele ich mit dem Gedanken, nochmals hinunter zu gehen, als ich die nassen Handtücher auf dem überdachten Balkon aufhänge... die Sonne scheint, der Bademeister sitzt schon wieder im Sessel, überall hohe, schmutzige Lacken. Da gehe ich hinein und drehe den Fernseher auf. Meine Lieblings-Soap läuft auf ARD. Urlaub eben.

© GabrieleZauner