Plötzlich Papa

Urlaub. Der KV hat sich angeboten, mitzufahren, Zeit mit seinem Sohn zu verbringen - so fliegen wir zu dritt. Eine Woche Mallorca.

Der Flug ist um 5h früh, also um 3h am Flughafen sein. Ankommen, auspacken, an den Strand... Müde werden geht nicht - das Kind hält uns beide auf Trab. Wir gehen ins seichte Meer, in den Baby-Pool... schließlich duschen, im Restaurant den Kindersitz bestellen. Eine Flasche Rotwein zum Essen, dann noch eine. Den Rest nimmt der Kellner zu sich, schreibt die Tischnummer drauf und stoppelt die Flasche zu.

Dann ist Kinderdisco - begeistert steht der Kleine daneben, versucht, mitzumachen. Dann krabbelt er in sein Wagerl und schläft ein... noch ein paar Gläser Wein, bevor wir schlafen gehen.

Das Kind ist versorgt, ich putze meine Zähne und nehme die Abend-Pulver weit nach Mitternacht. Oh, ich hab die in der Früh vergessen. Egal - morgen. Ins Bett gegangen, schwitze ich plötzlich ganz stark.

Als ich erwache, liege ich allein in unbekannter Umgebung. Eine Sonde in der Nase, habe ich nur den Wunsch, weiter zu schlafen... das gelingt gut.

Später am Tag, oder am nächsten? - kommt jemand, spricht schlecht deutsch: ich hätte einen Zusammenbruch gehabt, vorgestern in der Früh, und dies sei die Intensivstation des Spitals in Palma. Keine Sorge, die Deckungszusage der Krankenversicherung der Kreditkarte ist schon da.

Da höre ich draußen am Gang das Plappern meines Sohnes. Erschöpft lächle ich die beiden an, als sie in der Tür stehen, bin unendlich froh, daß ich den KV mitgenommen habe auf die Reise! - Der Bub will am Bett hinaufklettern, ist aber zufrieden, als der Papa ihn auf den Arm nimmt.

Winke winke!, der KV will übermorgen wiederkommen. Ich verschlafe wieder eine Nacht, einen Tag.

Ich wache auf, als unten etwas zwickt, eine Schwester das gelbe Sackerl an meinem Bett abmontiert. Es gelingt mir, auch das Schläucherl aus der Nase mit Händen und Zeichensprache raus zu reklamieren. Möchte wissen, was genau los war...

Meine beiden Männer kommen mich später besuchen. Der KV informiert mich, während mein Sohn glücklich am Fußende im Bett herumkrabbelt: Ein großer Epi-Anfall sei das gewesen, verursacht durch zu viel Alkohol, fehlende Medikamente, Schlaf-Entzug.

Ich bin ihm dankbar, daß er Windeln wechselt. Er hat mein handy mitgebracht, und wir vereinbaren, am nächsten Tag zu telefonieren. Winke winke...

Die Früh-Visite bekomme ich erstmals bewußt mit. Es geht mir sehr gut nach dem Frühstück, ich sitze und frage, wann ich heim darf... da lächelt der englisch sprechende Arzt: es sei ja doch lebensgefährlich gewesen... vielleicht kann ich in drei Tagen auf eine normale Station verlegt werden.

Ich rechne die Tage im Spital aus: fast die gesamte Urlaubswoche ist schon vergangen! - Draußen am Gang gibt es eine Rezeption: ich will heim! Der deutschsprachige Herr mahnt zur Vernunft. Doch ich kämpfe.

Nach der Morgenvisite darf ich auf eigene Gefahr raus, ins Hotel zurück. - Habe seither keinen Tropfen Rotwein mehr getrunken.

© GabrieleZauner