Das Gefühl von Weihnacht

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Das Gefühl von Weihnacht | story.one

Jeder und jede kennt dieses Gefühl. Vor allem jetzt in der Vorweihnachtszeit erinnern wir uns alle unglaublich gerne zurück. Die eigene Kindheit. Die unbeschreibliche Vorfreude auf das Christkind. Die ganzen Rituale, die jedes Jahr stattgefunden haben. Brief ans Christkind schreiben. Christkindlmärkte besuchen. Adventkranz anzünden und dazu Lieder singen. Weihnachtsmann und Co KG schauen. Den Duft und den Geschmack von Omas Keksen genießen. Und die absolute Krönung: dieses überwältigende Gefühl an Heilig Abend.

Ich habe mich in den letzten Wochen sehr stark mit dieser Erinnerung auseinandergesetzt. Ich habe Freunde gefragt, ob sie sich an dieses ganz besondere Gefühl an Weihnachten in der Kindheit erinnern können. Die Reaktion im Gesicht hat alles verraten. Die Augen haben immer geglitzert und die Mundwinkel sind sofort nach oben gewandert. Jeder und jede kennt dieses Gefühl.

Ich erinnere mich an einige andere Momente in meinem Leben voll von starker Emotion. Zum Beispiel dieses Erlebnis, wenn ich aus einem Kinofilm herausgehe und spüre, dass dieser Film etwas in mir drinnen ausgelöst hat. Schwer zu beschreiben, was eigentlich passiert.

Ich habe auch wunderbare Erinnerungen an ganz bestimmte Abende mit Freunden, an denen wir so viel gelacht haben, dass wir irgendwann nur mehr am Boden gelegen sind und niemand von uns mehr aufstehen konnte. Diese Augenblicke waren wie ein Feuerwerk. Und selbst die Erinnerung daran löst ein kleines Feuerwerk in mir aus.

Diese Momente fühlen sich allerdings anders an als Weihnachten damals.

Weihnachten damals, wo sich das ganze eigene Lebens für einen Monat um das Christkind gedreht hat. Ein aufregender Ausnahmezustand in der Schule, im Haus, im Radio, auf der Straße.

Bei Weihnachten war dieses besondere Gefühl als Kind jedes Jahr so. Es war nicht zufällig, sondern vorprogrammiert. Zumindest solange ich fest daran geglaubt habe. Solange ich den Zauber und die Magie zugelassen habe.

Heute ist Weihnachten ein bisschen anders. Und das ist ok für mich.

Der Zauber wird für diejenigen aufrecht erhalten, die glauben. Ich stehe jetzt auf der anderen Seite, als Helferin vom Christkind, so wie Mama sich gerne früher genannt hat. Streng genommen sehe ich mich irgendwie auf beiden Seiten.

Und dieses einzigartige Gefühl zu Weihnachten voll von Erfüllung und unendlichem Glück im Innersten?

Ich habe lange Zeit Angst gehabt, dass es nie wieder zurückkommt. Wieso denn auch, jetzt wo der Glaube gegen die Mithilfe des Zaubers ausgetauscht wurde? Ich kann schließlich nicht wie ein kleines Kind mich ab 23. Dezember in meinem Zimmer verstecken, Frühstück ans Bett verlangen und ohne eigenen Beitrag an Heiligabend mit Liebe und Geschenken überschüttet werden. Nein, dafür schenke ich selbst zu gern!

Ich habe etwas Anderes gefunden. Eine unfassbar große Leidenschaft. Die dasselbe Gefühl auslöst.

Und das wünsche ich jedem. Soetwas zu finden. Damit dieses Gefühl von Weihnacht zurückkehrt.

© Geographin 01.12.2019