ASIEN 2016-2018

Schon während meiner letzten längeren Reise 2009/2010 nach Afrika schmiedete ich den Plan auch einmal überland entlang Teile der Seidenstrasse nach Asien zu reisen. Vor allem die Visabeschaffung für die einzelnen Länder entlang der Seidenstrasse gestaltet sich bald als langwierig und schwierig. Je näher der Tag x rückt desto murmeliger wird mein Bauchgefühl. Ich kenne das allerdings schon von meinen früheren Reisen. Am Besten ist es bei solchen Unternehmungen dann einfach loszufahren, da man sich dann selbst nicht mehr so sicher ist und vieles zu hinterfragen beginnt. Mit den wichtigsten Visa in der Tasche und einem ca. 10 kg schweren Rucksack setze ich mich schliesslich Anfang März 2016 in den Nachtzug von Wien nach Bukarest. Ich habe kein direktes Ziel vor Augen, weiss nur dass ich ca. 2 Jahre Zeit haben werde und dass ich über Zentralasien und Pakistan nach Indien kommen will.

Am Weg nach Indien geniesse ich die Gastfreundschaft der Perser und die Abgeschiedenheit der zentralasiatischen Länder. Ich bin überrascht über die Herzlichkeit der Ismailis im Norden Pakistans. In Pakistan mache ich eine Zeitreise, eine Reise in die Vergangenheit. Die Büros an der Grenze sind schmutzig, spartanisch eingerichtet und wenn man Glück hat mit Ventilatoren versehen. Meine Daten werden mehrmals in Bücher eingetragen, die halb so groß sind wie der Schreibtisch. Es wimmelt von Leuten, die mich aus ihren verwitterten und staubigen Gesichtern anstarren. Alle haben sie eines gemeinsam: Sie sind sehr nett und sie haben alle Zeit der Welt. Die pakistanischen Lkw, die mir entgegenkommen sind eine Augenweide, wahre Kunstwerke. Man weiß gar nicht, wo man hinschauen soll. Alles ist bunt, glänzt, blinkt und bewegt sich.

Dann geht es ins bunte Indien. Mich zieht es nach Ladakh und ins Spitital, danach nach Varanasi. Hier mache ich Bekanntschaft mit einem irischen Pärchen und wir beschliessen den Manaslu in Nepal zu umrunden. Mit einer sechsköpfigen Motorradgruppe gelange ich auf dem Landweg von Indien nach Myanmar. Danach folgen 6 Monate in Indonesien, die ich vor allem mit viel Schnorcheln, Tauchen und Vulkanbesteigungen verbringe. Ein wahrer Traum dieser Inselstaat!

Ich bin beeindruckt auch von der Hilfsbereitschaft der Chinesen. In Japan besuche ich eine Freundin mit Ihren beiden Pferden am Biwasee und sie bringt mich zu einem kleinen Feuerfestival in der Nähe von Kyoto. Von der österreichischen Botschaft in Tokio hole ich mir das russische Visum ab das mir eine Freundin in Wien besorgt hat. So steht nichts mehr im Wege im sibirischen Winter mit der Transsib die Heimreise anzutreten. Am Baikalsee ist das Eis mehr als 1 Meter dick angefroren. Mein Russisch friert mir regelrecht auf den Lippen ein, es reicht allerdings um mich bis nach Moskau durchzuschlagen. Im Mai 2018 erreiche ich letztlich wieder wohlbehalten mein Zuhause in Oberösterreich. Mit leichtem Kopf und schwerem Gepäck. Oder umgekehrt?

© Georg Richtsfeld