Was'n riesiger Fehler ey

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Was'n riesiger Fehler ey | story.one

Wenn der Tod kommt, bemerken die Meisten von uns, dass sie etwas Wesentliches vergessen haben: Zu LEBEN.

Der Tod als Option wird verdrängt.

Das passiert nur allen anderen Menschen, uns nicht. Wir funktionieren erstmal gepflegt, sind cool, machen Karriere, tun, was sich gehört und dann wenn die Pension ruft (mit 70? Mit 75?), dann fangen wir an zu leben. So der Plan.

Was, wenn sich das Leben nicht an diesen arroganten, menschengemachten Plan hält? Was, wenn du vorher abberufen wirst? Was, wenn deine Partnerin, dein Partner einen Unfall hat? Plötzlich unheilbar erkrankt? Sich womöglich das Leben nimmt?

Wo pöbelst du dann hin? Wenn etwas nicht passt, schreien wir uns auf Facebook die Seele aus dem Leib, nörgeln unser Umfeld voll, jammern, bis der Arzt kommt. Alle anderen sind natürlich SCHULD. Nur wir selbst haben NICHTS damit zu tun.

Aber wenn der TOD kommt - sind dann auch die Anderen SCHULD? Wo pöbelst du dann hin? Und welchen Sinn macht das?

Ach so, das passiert nicht?

Na dann isses ja gut. Wenn du MUT hast, dann ruf mich JETZT an. Dann erzähle ich dir aus der aktuellen Einsatz-Statistik meiner Mitarbeit im Kriseninterventionsteam. Und dann schweigen wir beide betroffen. Und sind still. Weil wir demütig werden, angesichts der aktuellen plötzlichen Todesfälle:

Suizid: **Zunehmend**.

Unfälle: **Zunehmend**.

Unheilbare Erkrankungen: **Zunehmend**.

Bitter.

Aber wir verlegen unser Leben auf: SPÄTER!

Weil wir vergessen, dass wir ‚später‘ womöglich nicht mehr leben.
Weil wir vergessen, dass wir ‚später‘ höchstens noch die Tauben füttern (was ja schon jetzt verboten ist…) oder uns am Rollator in den Supermarkt schleppen, für eine Dose Ravioli…

Also: WANN LEBEN WIR?

© Georg Rittstieg 19.10.2019