Ins Spital

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Ins Spital | story.one

In meiner Oberstufenzeit hatten wir fünf Pferde bei uns zu Hause. Platz war ja genug vorhanden und die alten Stallungen inklusive Affenkäfig (das Haus hat so seine eigene Geschichte ... bei ehemaligen „Kunden“ unter dem Namen „Waldsauna“ bekannt ...) konnten zügig umgebaut werden. Eines der Pferde war meines, die anderen Einstellpferde.

Neben Medikamentenselbstversuchen und Selbstimpfungen ab meiner Volksschulzeit zählen die Pferde als wichtigste Station meiner vorklinischen Arztwerdung: In all den Jahren hatten wir nie einen Tierarzt da. ICH und delegierender Weise mein VATER waren DER Tierarzt. So begann ich bereits in dieser Zeit mit Akupunktur und Neuraltherapie am Pferd zu arbeiten, OHNE zu wissen, dass es eben das war. Ich schaute mir all die Behandlungen einfach von Tierärzten und auch der Veterinäruniklinik ab. Noch heute locke ich Schweißperlen und ein gepresstes Lächeln auf Stirn und Mund meiner Patienten, wenn ich formuliere, dass ich sie gleich wie mein Pferd behandeln werde ...!

Die Pferde lösten übrigens auch noch etwas bei mir aus: Pferdehaarallergie! Bei all der Zunahme der Allergiebeschwerden entschied ich mich mit sechzehn Jahren, mir doch einmal externe Hilfe für mein Asthma zu holen und begann eine sogenannte Desensibilisierungstherapie (heute als Hyposensibilisierung bekannt, da man erkannt hat, dass die Allergie damit doch nicht WEGgeht – „de“-, sondern gehofft WENIGER wird –hypo-).

Und wieder lernte ich eine wunderbare neue Nebenwirkung kennen: FIEBER. Ich bekam auf jede Injektion, die ja Allergene, hoffentlich abgeschwächt, enthielt und also meinen Körper reizte, Fieber. Nicht viel, so 37,4°C, genug, um wiederum meinen Notendurchschnitt in der Schule zu gefährden. Die geniale Idee der Kollegen in dem Allergieambulatorium: Teilen wir die vielen zu spritzenden Allergene eben auf zwei Spritzen auf und geben sie an zwei unterschiedlichen Tagen. Am Fieber änderte das nichts. Dafür musste ich mehrmals die Woche vom Marchfeld nach Wien pendeln, und das mit dem Fieber.

Drei Jahre lang ließ ich mir das gefallen. Dann war es genug. Weder mein Asthma noch meine Allergien hatten sich auch nur andeutungsweise verändert. Also schluckte ich kurzerhand eines meiner geliebten Antihistaminika VOR einem Kontrollallergiehautkratztest und siehe da: Ich war geheilt! An dieser Stelle ein Entschuldigung an meine behandelnden Ärzte für die Flucht! Ich musste mich schützen! So habe ich mich wohl in einer Studie über Hyposensibilisierung als paradegeheilter Patient verewigt!

All das war mein Rüstzeug, bevor ich erstmalig ein Krankenhaus als Famulant betrat, krank genug, denn es war jenes, in dem mein Vater als ärztlicher Leiter agierte ...

Ich kam gerade bis zur Portiersloge, als ich die ersten Bussibussi-Umarmungen von Frau K, der Sekretärin des Hauses, empfing. „Jetzt fährst einmal bis in den fünften Stock und dort bekommst das weiße Gewand. Dann geht’s los!“

Und wie es losging ...!

© Georg Weidinger 13.12.2019