Schlaflos in Siwa (Ägypten)

  • 294
Schlaflos in Siwa (Ägypten) | story.one

Die Oase Siwa ist im Landesinneren von Ägypten. Durchquert man die Große Sandsee von Süd nach Nord, ist es der erste Ort nach fast 1000 km Wüste. Die erste Möglichkeit zu duschen und ein Essen ohne knirschenden Sand zwischen den Zähnen.

Dattelpalmen prägen das Bild dieses abgelegenen Ortes. Die Oasengärten sind unverschämt grün inmitten dem Staubgrau der Wüste. Die ganze Last der mühseligen Landwirtschaft in den Oasen Ägyptens wird auf den Rücken der Esel getragen

Lange nach Mitternacht, in einem kleinen Hotel in Siwa: Ich liege wach, an Schlaf ist nicht zu denken. Dafür sorgen ein Hund und ein Esel. Die Bremer Stadtmusikanten in kleiner Besetzung. Unmittelbar unter meinem Hotelzimmer ertönt ein ständiges Gekläffe und lang gezogenes und lautes I-ahh. Ich wälze mich von einer Seite zur anderen. Verwünschungen, Schweißausbrüche. Nichts mehr mit Schafe zählen. Dann plötzlich wieder Stille. Unheimliche Stille. Endlich Ruhe? Gespanntes Warten. Eine, zwei, drei Minuten vergehen. Ich bin noch nicht richtig eingeschlafen, als mich ein jähes I-aahh in die Wirklichkeit zurückholt und gleich darauf der Hund in den Reigen der nächtlichen Ruhestörer eintritt. Ich gehe zum Gegenangriff über. Alles Entbehrliche fliegt vom Balkon nach unten. Der Plastikblumenstrauß erzielt nicht die gewünschte Wirkung. Der Aschenbecher jagt den Hund jaulend in die Flucht. Vorerst. Eine Zeit lang stehe ich mit dem Stuhl in der Hand da und frage mich, ob ich das darf. Der Esel selbst gibt mit einem lauten Schrei die Antwort. Hinab damit. Knapp neben dem Esel zersplittert der Sessel auf der Strasse. Aber es ist endlich still geworden. Zufrieden lege ich mich nieder und schlafe endlich ein.

Ich träume von Eseln und Hunden und ärgere mich über deren Lärm, bis ich endlich wach bin und merke, dass dieses Gebell alles sehr real ist und wiederum von den beiden stammt. Drei Uhr morgens.

Nun habe ich endgültig genug. Ich stürme aus dem Zimmer, die Stiege hinunter und zur Tür hinaus. Der Hund rennt im selben Moment laut jaulend davon, anscheinend weiß er, dass er nächtens nicht lärmen darf. Nicht so der Esel. Er steht mitten auf der Strasse, seinen Hintern dem Hotel zugewandt und schreit so laut er kann. So hört er mich auch nicht kommen. In meinem Zorn vergesse ich sogar die alte Regel, „nähere dich nie einem Esel von hinten“. Allerdings kommt dieser auch nicht dazu mit den Hinterbeinen auszuschlagen. Über meinen Tritt, den ich ihm aus dem Laufen heraus auf das Hinterteil versetze, ist er so überrascht, dass er seinerseits auf das Treten vergisst und sofort laut schreiend das Weite sucht. Ruhe! Mit Erleichterung mache ich mich auf den Weg zurück ins Zimmer. Allerdings nur bis zur Hoteltür. Die kann man nachts nur von innen öffnen! Die Rezeption ist nicht besetzt, kein Nachtportier der mir öffnen könnte. Nur ein Stuhl samt Tisch vor dem Eingang. Ich mache es mir darauf bequem und versuche wenigstens die restlichen 3 Stunden zu schlafen. Vor dem Hotel. In Unterhosen.

© Georg Zenz