Amerikanischer Traum in LA

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Amerikanischer Traum in LA | story.one

Gerade in Los Angeles angekommen, wollen wir noch zu unserem Starkoch Wolfgang Puck Abendessen.

„We are here for execution!“ sagt ein Kollege zum afroamerikanischen Taxifahrer.

Wir stutzen alle. Für welche Exekution von wem? Der Taxler ist auch paff, es gab schon eine Zeit lang keine Hinrichtung in Kalifornien. „Geh Papa, Exkursion!!! We ar here for excursion!!! Wir sind Architekten aus Österreich!“ Der Taxler ist beruhigt.

Am nächsten Morgen beginnt das Besichtigungsprogramm, in 3 Tagen werden wir richtig viel sehen. Beeindruckend sind die großen Bauten, die von reichen Privaten errichtet wurden. Das Paul Getty Museum, schneeweiß nach Art des Architekten Richard Meyer, auf einem Bergrücken errichtet und gefüllt mit Abermillionen aus Ölgewinnen. In einer Abfolge von Gebäuden wird Unterschiedliches geboten, von Rokokomalerei, der Modernen bis zu Ethnosammlungen.

Oder die Disney Hall, ein Konzerthaus von Frank Gehry, außen ein Traum aus geschwungenem Silber, innen eine funktionelle Akustikmaschine. Aber sogar den reichen Disneys ist hier das Geld ausgegangen, sie mussten öffentliche Mittel akzeptieren.

Beeindruckend ist auch die Architektur, die für die Landschaft geschaffen wurde. Das Privathaus der Familie Stahl aus 1957 thront in transparenter Leichtigkeit an den Felsabbrüchen oberhalb des Häusermeers. Der Hang darunter ist von Filmstars bewohnt.

Wo viel Sonne ist, gibt es auch viel Schatten. Wir fahren an Ausspeisungen von Obdachlosen vorbei, sie haben in Einkaufswagerl ihre wenigen Habseligkeiten. In einer dieser Gegenden findet sich das Architekturbüro von Christoph Kapeller in einem alten Zinshaus. Er hat in Graz mit norwegischen Studienkollegen das heute weltberühmte Kollektiv Snohetta gegründet. Der Wettbewerb für die Bibliothek von Alexandria wurde gewonnen, wo Christoph Jahre in Ägypten zur Projektleitung weilte. Für Snohetta wollte er in den USA Fuß fassen, blieb aber alleine. Er arbeitet auf der Uni und macht mit 2 Mitarbeitern kleine Sachen. Der Staat investiert nicht, an die Reichen muss man rankommen, der einfache Ami braucht keinen Architekten. Sein Resümee vom amerikanischen Traum ist durchwachsen.

Ein paar Kilometer weiter steht das Architekturbüro von Morphosis im Grünen. Ihre futuristische Bankzentrale der Hypo-Alpe-Adria ist bei uns durch den Skandal bekannt. Das Büro arbeitet auf der gesamten Welt. Wir bekommen von zwei Hostessen eine Führung durch den Komplex. Das Herzstück ist ein Saal, wo an Tischreihen dreißig Architekten aufgefädelt sitzen. Es gibt kein Telefonieren oder Tratschen. Ein Aufseher kontrolliert, dafür darf der Pool mit Grillplatz von den Mitarbeitern genützt werden. Wann dafür wohl Zeit ist?

Auffallend ist, dass die Architekten an den Tischen hauptsächlich Asiaten sind, Schwarze gibt es gar keine. Eine Hostess schildert das so: Asiaten sind sehr strebsam, das Arbeiten bei Morphosis ist eine Karrierechance, der Lohn nicht so wichtig.

© Gerhard Maier 01.08.2020