Mein Cousin Wilfried - RIP

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Mein Cousin Wilfried - RIP | story.one

Das Foto in meinen Händen stimmt mich traurig. Es zeigt 2 Brüder, meine Cousins, auf einem Berggipfel. Einer davon, Wilfried, ist am 18.8.14 tödlich verunglückt.

Reinhard, der 2. Cousin, hatte einen bekannten Taufgöd, Hannes Unterweger, der am 20.8.1959 auch am Berg sein Leben lassen musste.

H. Unterweger ist eine bei Bergsteigern bekannte Persönlichkeit, er war 1956 mit K. Diemberger und H. Knapp der Erstbezwinger der >Riesenschaumrolle< am Ortler.

Dieses Gebilde wie aus der Hand eines Zuckerbäckers, war das Werk von Eis, Schnee und Wind. Sie hatte sich meterweit ausladend an der Königspitze des Ortlers gebildet. Lange Stangen wurden in das Eis geschlagen, daran frei hängend haben die Bergsteiger den Eiswutzel in mehreren Stunden überwunden. Die >Riesenschaumrolle< wurde danach noch einmal begangen und ist Ende der 1960er abgebrochen.

H. Unterweger, 1934 in Südtirol geboren, strandete im Zuge der Option mit seiner Familie im Pongau. Dort entstand die Freundschaft mit meiner Tante, die ebenfalls aus Südtirol stammt.

Hannes, gerade in Priesterausbildung, ist bei einer an sich unproblematischen Tour am Werfener Hochthron, etwas abseits bei den Edelweiß, abgestürzt. Ein schwerer Schlag, aber er bietet meiner Tante in Träumen Schutz und Trost an.

Im Sommer 2014 hat sich Cousin Wilfried nach der Sonntagsmesse auf in den Pinzgau gemacht, ins Krimmler-Achental ist er mit dem e-Bike gedüst, das Ziel die Dreiherrenspitze (3499 m). Er war ein passionierter Bergsteiger, eher ein Läufer. Mit leichtem Gepäck hat er den Gipfel erstürmt und dann ist etwas passiert, was nicht ganz klar ist.

Um 21 Uhr, einige Zeit nach dem Gipfelfoto, traf sein Notruf bei der Warnzentrale in Salzburg ein. Die Ortung ergab, dass er auf Südtiroler Gebiet lag, es wurde die Bergrettung Ahrntal in Marsch gesetzt. Eine zeitlang gab es, mit schwacher Stimme, telefonischen Kontakt von Wilfried mit der engsten Familie. Dann wollte er Akku sparen, für die Lieben daheim wurde es still.

Um 1:30 nachts haben ihn die Bergretter in schwierigem Gelände (4-5) mit Hilfe von Lichtsignalen gefunden. Er war leicht verletzt, aber stark unterkühlt. Er wurde noch einen sicheren Platz getragen, wo er verstarb.

Am Montag früh wurde meine Tante über den Tod von Wilfried informiert, er war jetzt im Tal und in Prettau im Ahrntal zu identifizieren. Meine Cousine Monika schilderte mir die schweren Fahrt mit zwei Familienmitglieder nach Südtirol. Wie er in der Bergkapelle mit seiner leichten Bekleidung lag, von seinem kaum angerührten Proviant. Wie sie die Ausrüstung entgegennehmen und bestätigen mussten.

Wilfried dürfte abseits der Hauptroute im Schnee abgerutscht sein, er war leicht verletzt und vielleicht bewusstlos. Die wenigen Hilfsmittel im Rucksack konnte er nicht mehr nützen.

Wilfried war studierter Theologe, wie Hannes Unterweger, beide waren Bergfexe mit Südtiroler Wurzeln. Für die Familie hat sich ein Kreis geschlossen. Darin muss sie Trost finden.

© Gerhard Maier 07.03.2020