Bodenlos schönes Premantura

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Bodenlos schönes Premantura | story.one

Wo Premantura ist? Auf der südlichsten Spitze Istriens, nicht weit von Pula.

Das Jugoslawische Fremdenverkehrs-Büro hatte es mir als breit und weit günstigstes Urlaubs-Domizil verkauft. Ein Campingplatz, auf dem Wohnwagen jeder Größe zu mieten waren. Für uns, ein blutjunges Paar mit noch geringem Einkommen, mutierte Premantura zu einem mediterranen Traum, gleich auf wohl mit Nizza oder Cannes!

Ich besaß damals einen fahrbaren Untersatz, der mich von gewöhnlichen Puch-500 Besitzern deutlich unterschied. Einen gebrauchten Puch 650 TR, dunkelgrün mit schwarzer Radkasten-Verbreiterung! Das Wägelchen sah gefühlte 15-20 km/h schneller aus als seine Geschwister - der Zusatz „TR“ stand für ein Plus von mörderischen 11 PS!

Der Unterboden jedoch! - Die beiden Vordersitze ließen sich nicht mehr verschieben. Die den Türen zugewandten Sitz-Schienen waren schon durch den rostigen Fahrzeugboden gebrochen. Selbst kühne Draufgänger stuften unsere Absicht, damit nach Istrien zu reisen, als irrwitzig ein. Zwei Besenstiele mussten da Abhilfe schaffen! Sie stützten die ins Freie wippenden Sitze auf den noch festen Teilen des Bodens ab – kurzum, wir erreichten Premantura völlig schadlos, sogar mit Umweg über das herrliche Opatija.

Am Ziel - was für ein Panorama! Das Meer, die Seeluft, die Brandung, Möwen, Sonne ohne Ozon-Warnung, unser Camper im Schatten von Pinien, keine zwanzig Schritte ins kühle Nass – wir waren glücklich! Düsten wir mit dem 650 TR ins nahe Pula, sorgte der bei den jungen Kroaten noch immer für Aufsehen. Die hatten ja auch Gefühle, liebten die optische Power des kleinen grünen Puch wie ich selbst. So schön hätte es ruhig länger bleiben können.

Nach der zweiten Woche plante ich wieder eine Einkaufs-Tour nach Pula. Unser Nachbar, ein 110 Kilo-Mann, fragte sehr höflich, ob es mir was ausmache... nein, nein, natürlich nicht! Steigen Sie getrost ein! Als er den Raum neben mir gut gefüllt hatte, sah ich mich genötigt, dem TR die Sporen zu geben, ließ den Motor aufheulen, die Kupplung packte an – mein 650 TR blamierte mich nicht und hob vorne fast ab!

Da war der Nachbar schon krachend im hinteren Wagenteil verschwunden. Nachbar, Sitz und rechter Wagenboden klumpten auf der kleinen Rückbank zusammen, doch er lebte! – Seine nach Art der Käfer strampelnden Beine bewiesen das, auch sein erschrockenes Lamento:

Mann oh Mann, das is´ ja ´n Ding – Schleudersitz oder wa´? – ich will hier raus, Mensch! – Kannste alleene fahrn mit - Menschenskind! - Na, is doch wahr!

Fast etwas brüsk lehnte er mein Angebot ab, ihn auf der Heck-Bank sitzend mitzunehmen. Der Ehrlose stieg aus, ich musste gekränkt alleine fahren, fand eine Schlosserei und hatte keine drei Stunden später eine neue Bodenplatte, damit fest verschweißte Vordersitze und das Ganze für ´n Appel und ´n Ei!

Stolz führte ich dem Nachbarn den de facto runderneuerten Flitzer vor, doch der ließ sich nicht mehr so recht erwärmen.

Versteht man sowas?! Im bodenlos schönen Istrien?

© [email protected] 03.07.2019