Claudia Cardinale

Sie müssen mir nicht glauben, was ich Ihnen nun erzähle. Aber als Zeitzeuge fühle ich mich verpflichtet, diese Geschichte nicht mit ins Grab zu nehmen.

Der Bursche, der mir Bericht von der Sache gab - nennen wir ihn Sepp - war damals kaum 25 Jahre alt. Er stand im Sold eines Exil-Ungarns, der in den USA die richtigen Leute kennen gelernt hatte und nun im Osthandel mitmischte.

Unser Sepp lernte durch seine Tätigkeit für Mister Klein (der natürlich als echter Ungar „Kis“ heißen muss und auch so hieß) selbst viele Leute kennen, ohne die das große Geschäft nicht lief. Aber um schön bei der Wahrheit zu bleiben: Sepp war eine ganz kleine Nummer in dem Business, ein Mädchen für Alles, doch ganz brauchbar und lernfähig.

Mister Klein war groß in allen Dingen, die mit „Kukurica“ oder „Tsarevitsa“ zu tun hatten. Er wusste, dass Ungarn seinerzeit noch Mais importieren musste. Mit seiner Hilfe änderte sich das. Bald konnte Ungarn Mais exportieren. Sepp prahlte, er habe auch mitgeholfen dabei. Na ja, da liegt ein Körnchen Wahrheit drin.

In Budapest logierte man im ehrwürdigen Gellért-Hotel, war bekannt in dem verstaubten Kasten. Und dennoch – eines Abends war nur mehr die Suite für Mister Klein frei, man bedaure! Für Sepp wollte man eine Bügel-Kammer adaptieren, denn eine Suite würde vielleicht doch den Rahmen sprengen. Mister Klein reagierte großartig, verhandelte geschickt und sein sprachloser Adlatus sollte nicht zur Bügelwäsche gefaltet ruhen. Sepp bezog die Fürsten-Suite!

Der erstaunte Chef-Portier überreichte den Schlüssel mit den Worten: „.. ist große Äähre für Sie.. bis heute Morgen hat geruht Claudia Cardinale in diese Suite.. Sie kennen?“ Wer kannte dieses herrliche Vollweib nicht! Sepp konterte frech, die Ehre halte sich in Grenzen, die Dame sei ja schon abgereist! Mister Klein kriegte sich fast nicht mehr vor Lachen.

Da fand Sepp im Bade-Salon, hübsch am Fensterkreuz drapiert, ein zart gewirktes Dessous, das er elektrisiert als intimste Unterwäsche - na von wem? – richtig! - von Claudia Cardinale persönlich zu erkennen glaubte. Was für ein Souvenir, dachte der Schlingel. Wer konnte schon mit so einer Trophäe aufwarten? Schon sah er sich in einer Runde staunender Freunde das Dessous schwenken. Zwar nicht handsigniert, aber dieser Duft…

Habe ich erwähnt, dass Sepp schon verheiratet war?

Jedenfalls verstaute er den unterschlagenen Fund, müde aber glücklich, in seinem Koffer. Dort lag er gut und bald auch vergessen, bis zu seiner Heimkehr nach Wien. Muss ich das Ende noch erzählen? Die Tränen der Enttäuschung, als seine junge Frau die Wäsche aus dem Koffer nahm, das Dessous fand, es ihm vor das blöde stierende Gesicht hielt:

„Und was ist das!??“

Sepp gestand sofort: "Das? ..das gehört Claudia Cardinale!“

Ich muss sagen, die fünf Finger seiner Frau im Gesicht hat er doch verdient, diese Dumpfbacke, oder? Wie gesagt, Sie müssen mir das nicht glauben. Aber die Watschen hat gesessen! Als ob ich sie selbst gerade wieder bekommen hätte.

© Gerhard@Goesebrecht