Hartes Brot für Atheisten

Für den Nichtfachmann nur schwer vorstellbar.

Auch Maschinen entstehen in Fabriken. Werden nicht erst auf einer Messe zusammen gefügt. Man stelle sich so ein Ding vor - 12 Meter lang, über zwei Meter breit, 2 Meter 35 hoch und 2o Tonnen schwer. Das hebt nur mehr ein Kran. Darunter stellt man einen LKW, der lang und breit genug ist. Alles kein Problem. Nur eine Frage des richtigen "Timings", planvoller Vorbereitung.

Das macht der Spediteur Ihres Vertrauens. Hier ist Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Know-How gefragt. Mein Kunde, eine steirische Maschinenfabrik, sah in mir den genau richtigen Mann.

Nächste Woche Donnerstag um 10:00 Uhr vormittags warten auf der Messe in Hannover die besagte Maschine, drei hochqualifizierte Techniker und der Messe-Kran auf einen geeigneten LKW. Schaffen Sie das? Jede Stunde Verzögerung kostet fast Tausend Euro. Wir werden nicht zögern die Kosten einzuklagen, sollte sich der Abtransport verspäten...

Klar doch. Ein üblicher Routine-Auftrag. Planvolle Vorbereitung, dann läuft das.

Donnerstag früh, 07:35 läutete mein Telefon. Die Maschinenfabrik, Frau Prokurist persönlich, wollte nur zur Sicherheit nachfragen. Alles im Plan heute in Hannover? ?? (wovon spricht die Dame, was soll da wo sein um 10:00 ??!!)

Das Rattern der Synapsen in meinen zuständigen Gehirnregionen muss hörbar gewesen sein. Mein Puls raste, meine Stimme versagte fast - klar doch, krächzte ich. Also bis 10:00 dann! Mir wurde fast schwarz vor Augen. Ich hatte den Auftrag vergessen! Wie konnte das passieren. Was jetzt? Woher in den nächsten zwei Stunden einen 12-m langen, leeren LKW zur Beladung in Hannover finden?

Kann ich irgend eine Ladung umdrehen, einen anderen Sattel-Auflieger zur Schadensbegrenzung anderswo abziehen. Ich prüfe, denke, stöhne unter dem Druck der Erkenntnis - ich habe die Sache verbockt, aus, Ende. Am besten, ich demissioniere gleich. Die Folgekosten, ich wage nicht sie mir auszumalen. Der Kunde für alle Zeit verloren. Mea maxima culpa.

Noch eine Stunde danach konnte ich keinen Anruf entgegen nehmen. Ich rufe später zurück, keine Zeit jetzt, keine Zeit. Meine Assistentin kämpft sich mit einer Meldung in mein Bewusstsein durch. Der Frächter X & L, ruft schon dreimal an, sucht dringend Rückladung, egal von wo, egal wohin. Ein kleiner Funke Hoffnung keimt.

Wo steht ihr Zeugl denn? Viel kann ich nicht mehr anbieten.

X & L stand in Hannover, in der Nähe der Messe. Dann sagte er noch verzagt, er habe aber nur einen 12-m Sattelauflieger für maximal 22 Tonnen.

Sein LKW stand 15 Minuten später neben der Maschine, neben dem Kran, neben den Technikern. Es war 10:00 Uhr, da rief Frau Prokurist persönlich an. Wollte sich nur bedanken - tolle Leistung!

Aber, sagte sie noch. Als ich sie heute früh angerufen hatte, da dachte ich eine Sekunde lang, Sie hätten den Auftrag vergessen... (Aber ich bitte Sie!)

Ich legte auf. Meine Augen dankbar himmelwärts gerichtet, hörte meine Kollegin mich sprechen: Vater Unser...

© Gerhard@Goesebrecht