Ein ganz normaler Arbeitstag

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Ein ganz normaler Arbeitstag | story.one

5.30 Uhr Tagwache! Aufstehen, Gewand herrichten, Hasen füttern, Frühstück vorbereiten, Jause einpacken, ein paar Qi-Gong-Übungen und dann ab ins Bad. Dazwischen Kind aufwecken, Betten machen und hoffentlich um 7.15 Uhr frühstücken. Bis es soweit ist, braucht es gute Nerven, denn Kinder haben morgens keine Eile. Da kann es schon passieren, dass man eins muss: antreiben, antreiben, antreiben. Dann, kurz vor halb acht noch Zähne putzen und dann geht es los: Mama zum Bus, Kind in die Schule.

Geschafft! 7.45 Uhr Mama sitzt im Bus! Kind sollte pünktlich in der Schule sein, wenn es sich am Schulweg nicht wieder von Kühen oder anderen Kindern ablenken lässt.

Wenig später sitzt Mama im Büro und erledigt wichtige Aufgaben, dringende Telefonate, checkt Mails und anderes. Das muss heute fertig werden und der braucht auch noch was von einem und um 10.00 Uhr ab in die Besprechung. Hoffentlich dauert die nicht zu lang, weil man will ja unbedingt noch was verschicken, ehe man dann so gegen 12.00 Uhr schon wieder auf Nadeln sitzt, weil man ja den Zug um 12.16 Uhr erwischen will.

Im Eilschritt zur Bahn, reingesprungen, wenig später wieder raus und schnellen Schrittes nach Hause. Das Kind ist schon da und wartet vor dem Fernseher auf das Mittagessen. Ein Albtraum jeder Mutter. Jetzt heißt es Arbeitsgwand aus, Schürze um und schnell was gezaubert. Puh, fertig. Wenig später sitzt man beim Mittagessen und ist gedanklich schon bei der Hausaufgabe. Davor muss man aber noch das Kind vom Fernseher wegbekommen. Das gefällt ihm natürlich nicht und es braucht einige Ermahnungen, bis es sich schließlich zum Tisch bewegt. Mit etwas Glück schafft man es dann auch zur Aufgabe. Und wieder braucht es gutes Zureden, damit alles bis 3 Uhr fertig ist, denn um 1/2 4 Uhr beginnt die Musikstunde. Heute gibt es anschließend noch eine Extra-Probe für das Konzert in der nächsten Woche.

Um 1/2 8 Uhr ist man wieder zu Hause. Müde, geschafft, erledigt und denkt an die Worte der ArbeitskollegInnen: so schön möchte ich es auch haben und Mittag nach Hause gehen. Jaja, schön ist das schon.

Mit nur einem Kind geht das noch halbwegs, aber oft frage ich mich, wie das denn mit zwei oder mehr Kindern geht. Eigentlich hatte das schon einen Sinn, dass die Frauen früher daheim blieben bei den Kindern. Aber es erfüllte sie halt nicht. Die Hausarbeit ist nicht enden wollend und Dank und Anerkennung hat man auch wenig bis selten. Dazu die finanzielle Abhängigkeit in jungen Jahren und im Alter. Aber wenn man hinein spürt und ehrlich ist, wäre es eigentlich genug. Ist es doch ständig eine Gratwanderung und man steht permanent unter Strom. Will seine Arbeit in der Firma gut und verlässlich erledigen und hat auch daheim und mit den Kindern genug zu tun. Denen soll's ja gut gehen!

Und während man so drinnen ist im Hamsterrad und rennt und rennt, merkt man gar nicht, wie man auf sich selbst vergisst. Darum liebe Mädels und Frauen: schaut auf euch und opfert euch nicht völlig für Job, Familie und Kinder.

© Gerlinde Hinterstoisser 19.02.2020