Gedichte in Bad Hall

Wie schnell verging doch die Zeit...jetzt bin ich schon wieder 4 Tage zu Hause...

Wie wehrte ich mich, seit ich wußte, dass ich ganze 6 Wochen weg fahren sollte...ich und weg, habe ich doch 3 kleine Kinder!

Sollte ich wirklich so egoistisch sein, und meinen armen Mann damit alleine lassen - mit den Kindern und den Kühen...?

Und ja, ES stand mir zu, ich hatte es bitter nötig, endlich, nach so vielen Jahren des Leidens, das Ganze hier zu verlassen! Doch für soooo lange??!! Ein grausiger und völlig fremder Gedanke! Wochen zu vor setzten bei mir schon Schlafstörungen ein. Ich zitterte und war mit den Nerven völlig fertig. Wie ich dieses "Firi-fiachtn"( vorfürchten) hasste. Schon von klein auf werde ich damit geplagt und bin diesen Gefühlen völlig ausgeliefert. Immer, wenn etwas ungewohntes auf mich zu kam, reagierte mein Hirn und mein Körper mit großer Angst, mit Sympthomen der Beklelmmung, des Flüchten müssens. Dabei hatte ich null Vertrauen, dass mich das Universum leiten könnte, dass ES es mit mir gut meinen könnte...nein, immer malte ich mir alles schlecht aus, schwarz und negativ!

Dabei tat mir dieser Aufenthalt soooo gut. Wieviele tolle Eindrücke durfte ich erleben. Wieviele wunderbare Menschen durfte ich dort kennenlernen: 2 wundervolle Frauen und einen sehr liebenswerten Mann, bei dessen Abreise ich sogar heulen musste, so vermisste ich ihn!

Doch noch eines trat wieder in mein Leben. Ich entdeckte wieder meine dichterische Ader! Bei einem meiner Spaziergänge fielen mir die ersten Fetzen ein. Natürlich hatte ich nichts zum Schreiben dabei, so musste ich mir diese ersten Zeilen merken.

Kaum im Zimmer, saß ich mich sofort an den Schreibtisch. Zum Glück hatte ich mir schon ein unliniertes Heft besorgt, damals nichts ahnend, dass es für meine nächsten Gedichte herhalten sollte. Nach 10 Minuten war alles erledigt. Ich war baff und stolz zugleich. Es heißt:

Allein mit mir 13.01.19

Heute war ich allein mit mir -

wie lange ist das her....

heute gingst du neben mir,

wie freute ich mich sehr!

Trotz Einsamkeit fühlte ich mich frei,

vorbei scheint tiefer Schmerz,

die Schluchten liegen hinter mir,

vorbei ein gebrochen Herz.

Der Bach, der flißt so neben mir,

es ist schön ihm zu zu hörn,

in mir gibt es kein Aufbegehr`n,

es ist schön, DAZUzugehörn.

So dank ich Gott aus tiefster Brust,

vergangen ist was war,

es gibt in mir die Schöpferlust,

schau demütig zum Altar.

So glaub auch ich, es geht bergauf,

steh` wieder einmal auf,

Ich fürcht` mich nicht, ich quäl` mich nicht,

schwimm` mit mim Lebenslauf!

Diese Zeilen begleiteten mich, als ich am Bach entlang ging, der sich spielerisch durch diesen Wald schlängelte. Das Rauschen war richtig beruhigend für mich. Obwohl ich alleine unterwegs war, spürte ich, dass ich nicht einsam sein musste, es belebte mich und gab mir eine gewisse Stärke mit.

Auch in der Kirche von Bad Hall, spürte ich eine wohlwollende Energie, die mir Zeigte: es ist noch nicht vorbei. Meine Zeit ist noch nicht abgelaufen

© Gertraud Tabernig