"Nein, ich bin keine Bäuerin mehr!"

Mit 100%er Sicherheit bin ich davon überzeugt, dass ALLES im Leben seine Richtigkeit hat. Egal ob Schicksalsschläge oder Zufälle - ist der Schüler BEREIT, erscheint der Lehrer! Das ist mein absoluter Lieblingsspruch und dessen Richtigkeit hat sich schon so oft, bei mir, bestätigt!

Jeder neue Mensch, der in dein Leben tritt, hat seine Bedeutung. Jeder kann die Aufgabe mitbringen, damit ich entweder weiter komme im Leben, oder dass ich zur Umkehr gebracht werde, da ich irgendeine Lektion noch nicht verstanden habe. Man wird immer wieder zurück zur letzten "Prüfung" geworfen. Nur wenn ich diese "bestanden"habe, dann komme ich weiter und es warten weitere "Lehrer" auf mich. Warum ich das mit einer solchen Überzeugung sagen kann, kommt daher, da ich es über Jahre beobachtet habe...warum hab ich mich hier am Bauernhof immer nur im Kreis gedreht...warum kam meine Krankheit immer und immer wieder zurück, ich wollte doch diese Krankheit nicht! Ein Arzt sagte mir unlängst, dass man die Krankheit NICHT als Ausweg sehen darf, damit man RAUS kommt. Diese Worte gaben mir zu denken, und ich horchte in mich rein. Es stimmte wirklich: mit meinen Krankenhausaufenthalten kam ich wirklich immer wieder von hier weg...es war meine Flucht!

Eine Flucht die mir jedesmal sooo gut tat! Es war jedes Mal wie Urlaub und endlich MEINE Auszeit, die ich so nötig brauchte!!

Zu Hause am Hof hieß es nämlich immer nur: "Na des geht net!""" Immer ging was nicht bei meinem Mann am Hof. Bis ich am 05.Mai 17, nach unzähligen Nervenzusammenbrüchen, mich dazu entschloss: HEUTE gehe ich zum 1.Mal ins Krankenhaus! Ich will NICHT MEHR leiden!!! Es war ein Sonntag und aus lauter Verzweiflung ließ ich den Pfarrer kommen. Ich stand beinahe schon mit beiden Füßen im Grab. Ich weiß jetzt nicht, was ich mir genau vom Pfarrer erwartete, dass aber so rein gar nichts von ihm kam, das enttäuschte mich. Ich wollte so eine Art Lösung für mein Problem, Beistand, Hoffnung, das WARUM ich so leiden musste... Selbst sein Segen gab mir nichts mehr....

Doch ein weiteres Mal kam ich ins Krankenhaus. Dieses Mal kriegte ich nichts mehr mit. Vom Aufwachen weiß ich nichts mehr...

Jetzt war ich ganz unten. Hierher wollte ich nie kommen. Es war beängstigend und fremd.

Auch nach diesem Ausfall wurde ich wieder hergestellt. Mit neuen Erkenntnissen kam ich wieder heim. Nur, dass ich dieses Mal zu meinem Mann ging und sagte: " ich schaffe deinen Kuhstall nimmer. Entweder du machst das alles alleine, oder du musst deine Kühe hergeben...!!!"

Mein Mann schluckte. Er schaute mich ganz groß an. Ich merkte, wie es in seinem Kopf herumschaltete. Er überlegte kurz und meinte: "na, de Küah geb i net weg, de bleibm scho!"

Wer jetzt glaubt, dass sich damals schon MEIN Problem löste, der irrt. DIESE Prüfung kam genau ein Jahr wieder, denn irgendwann pendelte es sich wieder so ein, dass ich überall war: Haus, Hof, Kinder, Stall...denn es kam zum Stallbau, damit die Arbeit leichter würde...

Meine Prüfung war noch nicht zu Ende...

© Gertraud Tabernig