Verbotene Gedanken /Teil 4

So sehr sie sich auch bemühte, ihre Mundwinkeln blieben einfach oben.

Wie ein Honig-Kuchen-Pferd stand sie in ihrem Zimmer. Schlaftrunken und Freude taumelnd wankte sie ins Bad. Was für ein genialer Abend! Was für Gefühle, die sie durchdrangen und sie einfach nicht zur Ruhe kommen ließen. Doch Jennifer wusste: es waren alle Gefühle genau richtig!!! Jedes Glücksgefühl war nach so langer Zeit, mehr als willkommen....doch waren es wirklich NUR Glücksgefühle? War da etwa schon mehr, als nur eine jugendliche Schwärmerei...? War sie etwa wirklich schon verliebt in diesen Typen, oder war es lediglich ein Verschossen sein in einen Mann, der ihr so gut tat...und plötzlich wusste sie, was sie so anziehend fand: es war das Gefühl von absoluter Sicherheit. Allein seine Anwesenheit im Raum verlieh ihr ein wohliges Gefühl der Geborgenheit. Sie wusste, EGAL was mit ihr sein sollte, ER würde sie retten und sie vor dem Bösen beschützen. Wie tat diese Sicherheit gut!

Doch das Glück wurde von einer Tatsache getrübt: schon bald würde ER wieder nach Hause fahren. Seine Kur-Zeit war zu Ende. Sie wollte gar nicht daran denken. Sie verdrängte das Gefühl der Trennung, diesen schwerwiegenden Verlust....

Meistens war ER immer irgendwo, egal ob in der Lounge, im Speisesaal, draußen...da er aber sehr beliebt war, fand man ihn kaum alleine. Das hatte aber auch den Vorteil, dass niemand mitbekam, dass sie total verschossen war. Vermutlich nicht mal ER...

Als Jennifer eines Tages völlig verweint von einem Spaziergang zurückkam, gab es tatsächlich die Fügung, und ER bog grad um die Ecke. Sofort nahm er sich Zeit für sie, und sie konnte ihre Gedanken besprechen. Es ging nämlich um die leidvolle Geschichte um ihren Vater, der starb, als sie 6 war. Genau DIESE Geborgenheit, die sie jetzt durch IHN erfahren durfte, das ging ihr SCHON IMMER ab. Selbst auf dem Bauernhof fühlt sie sich nicht genug beschützt. Dort war sie immer den Strapazen ausgesetzt! Deswegen träumt sie ja schon seit Jahren, dass jemand kommt und sie befreit. War womöglich ER dieser große Retter....?

Gleichzeitig setzte aber wieder ihr Hirn ein, und sie wusste, dass sie keine andere Wahl hatte, sie musste wieder zurück auf den Hof, zu Mann und Kinder!

Doch das war hier noch weit weg.

Ein weiterer Tanzabend stand an und wieder richtete sie sich schön her. Wieder fühlte sie sich attraktiv und begehrenswert.

Wieder forderte ER sie zum Tanz auf. Dieses Mal hielt er sie fester in seinen Armen. Auch zwischen den Liedern umfasste ER ihre Taille. Sie genoss es nicht nur, sie fühlte, das stand ihr heute zu!

Das Gespräch, das sie führten war heute schon direkter. Es wurde sogar über Gefühle gesprochen, nur machte ER ihr eindeutig klar, dass er mit einer verheirateten Frau kein Gspusi anfangen würde.

Am Tisch zurück saß sie nun neben ihm. Sie saßen so dicht nebeneinander, dass sie auf aufpassen musste, damit sich ihre Oberschenkeln nicht berührten. Es knisterte förmlich in der Luft, auch wenn das NUR SIE spürte....

© Gertraud Tabernig