Verbotene Gedanken /Teil 5

Heulend lief Jennifer aufs Zimmer. Sie wusste ganz genau: JETZT ist alles vorbei! Morgen fährt ER nach Hause...wie schrecklich! Sie hielt noch das Geschenk in der Hand, das er ihr zum Abschied gab. Eine ganze Welle brach über sie herein. Wie sollte sie nur weiterleben ohne seinen Schutz, seine Aufmerksamkeit, seine aufrichtige Art, seine Nähe. So viel hat sie in den letzten Wochen an ihm lieb gewonnen. Jedesmal wenn sie ihn sah, wurde sie von Freude überflutet. Sein Lachen, die Art, wie er sie ansah...alles war einfach was Besonderes! Denn so viel Aufmerksamkeit bekam Jennifer in den gesamten letzten Jahren nicht mehr, weder von ihrem Mann, geschweige von anderen Männern, wie denn auch, war sie doch meistens zu Hause und hütete Haus und Hof, die Kinder und die Kühe. In welcher tristen Welt sie lebte.

Als sie hierher kam, war sie der Schatten ihrer selbst, kein Funke, dass sie sich schön und attraktiv fühlen könnte, im Gegenteil, Lebensfreude oder so Begriffe waren schon vor Jahren vom Abgrund aufgesogen worden. Sie funktionierte und bemühte sich, irgendwie zu überleben, wenn sie auch immer wusste, es geht ihr ganz viel ab. Trotzdem war sie irgendwann nicht mehr in der Lage, aus diesem Sumpf alleine wieder rauszukommen.

Dass ein fremder Mann ihr einen derartigen Ruck geben könnte, um abermals wieder aufzustehen und an sich zu glauben, davon träumte sie zwar, aber dieser Traum zerplatzte jedesmal, sobald er zu Ende geträumt war...

ES war schon traurig, wie tief jemand fallen konnte. Wie wertlos und ausgenützt sich jemand fühlen kann, NUR weil man nicht BEACHTET wird....

Diese Tatsache wurde ihr soeben wieder bewusst! WER würde sie jetzt noch beachten? Diese schönen Gefühle, etwas Besonderes zu sein -gehörte das bald wieder der Vergangenheit an???!

Ein drei-stündiges Gespräch mit ihm tat ihr am nächsten Abend so richtig gut! Es war herrlich mit IHM zu plauder, endlich hatte sie IHN nur für sich, wenn auch nur am Telefon, aber seine Stimme zu hören, löste wieder sämtliche Glücksgefühle in ihr aus!

Seither haben sie nicht mehr telefoniert. Sie wurde bald darauf von ihrem Mann von der Kur wieder abgeholt. Auch wenn sie sich nicht gerade auf zu Hause freute. Wusste sie doch, dass es nicht lange dauern würde, dass sie dort wieder "geschluckt" wird....diese Tatsache machte ihr angst.

Mit IHM schreibt sie regelmäßig am Handy. Auch Jennifer´s Mann weiß von IHM. Er findet das nicht schlimm.Er weiß, dass nichts war.

Täglich spukt ER noch in ihrem Kopf herum. Sie vermisst ihn schon sehr! Wenn sie auch zugeben muss, dass sich ihr Ehemann neuerlich sehr bemüht. Es fiel ihm natürlich sofort auf, dass sie etliche Kilos verloren hatte - seine größte Freude - neben der, dass jetzt wieder wer zum Kochen im Haus ist.

Nur wenn sie sich ins Bett legt, dann hat sie ihre Träume....sie träumt davon, IHN wieder einmal zu treffen. NUR er und sie! Und sie träumt, dass er sie ENDLICH so in die Arme nimmt, wie sie es sich schon auf Kur erträumt hat...zärtlich und liebevoll...

© Gertraud Tabernig