Maximiliansmarkt

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Zahnig ist's, mit diesen Worten reibt sich der Marktfierant die rotüberlaufenen Hände. Wie sich das im Winter so gehört, sage ich nicht, meine es aber. So drücke ich ihm gegenüber mein Bedauern aus und die Hoffnung auf eine für die nächste Stunde zu erwartende sonnige Wärmestrahlung.

In der Nacht hatte es gerade so viel geschneit, dass eine dünne aber geschlossene und durch die Morgenkälte konservierte Schneedecke sogar die Straßen der kleinen Maximiliansstadt bedeckte. Und das sollte doch pflichtschuldigst die innergebirgigen Adventwochen sehr wesentlich ausmachen.

Das ganze Jahr über macht ein Bauer aus V. nicht nur mit seinen vorzüglichen Käsespezialitäten ein gutes Geschäft sondern auch mit Speiseeis, gegenwärtig spezielle Wintersorten bevorzugend. Fein, dass es kalt geworden ist, freut er sich wegen dem dadurch reduzierten Energieaufwand für die Kühlung. Ihm stimme ich von Herzen gern zu, heißt von innen und ebenso nach außen hin.

Trotzdem, nach Walnuss-, Zimt- und Ingwereis steht mir der Geschmacksinn nicht, eher nach Glühwein oder so.

Vor der Apotheke drängt sich's. Es wird dampfend Gesundes dargeboten, so gesund, dass es mich gar nicht darnach gelüstet. Ich schnüffle also daran vorbei und finde mich nach wenigen Schritten endlich an dem Stand, dem die heutige Fahrt in mein Städtchen vor allem galt. Bio rundherum, egal ob Hendl oder Pute, ein paar Geflügelfilets wandern in jeweils nur ein Papierl verpackt, hier wird am Unnötigen gespart, in die brav selbst mitgebrachte Einkaufstasche. Ich koche gern und oft aber nicht unbedingt sehr geduldig, weshalb ich rasch garendes Geflügel allem anderen Dargebot vorziehe.

Der Bauer aus H. spricht laut, sehr laut, reklamelaut aber so sympathisch in seinem außergebirgigen Dialekt, dass ich versucht bin, mehr bei ihm zu kaufen als ich verwerten kann. Da erfolgreich angewandte Selbstdisziplin bekanntlich stolz macht, zahle ich nach den paar Filets und trolle mich, zufrieden mit dem Bauern und mit mir selbst.

Meine letzte Station im Städtchen ist das auf den historischen Grund eines alten Wirtshauses geklotzte aber innen mir viel Vertrautes bietende Kaufhaus in seiner Mitte.

Mein schon durch viele Jahre gern aufgesuchtes Cafe mit EU-weit ausgestreuter Italianita drängt mir jene kleine, alte Stadt im adriatischen Meer in den Sinn, die ich zwei- bis dreimal im Jahr besuche.

Stadtbummel, Einkauf und kulinarischer Abschluss allein haben meinen Tag bereits hinreichend gerundet.

Schuldig geblieben bin ich nur noch die Erklärung für den Titel meiner kleinen Geschichte. Dies nachholend verweise ich auf die Maximilianszelle, die den Grundstein für mein liebes Städtchen gelegt hat. Genaueres dazu lässt sich, ich will ja hier nicht ausufern, gern googlen.

© Gertrude Friese 13.12.2019