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Manchmal muss man nur warten können

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Manchmal muss man nur warten können | story.one

Affenhitze. Die Luft steht. Das alte Haus kühlt nächtens nicht mehr ab. Das schlägt auf Schlaf und Laune. Morgens schon Streit und Diskussionen. Bäh. Bis über Mittag ist die Stimmung geladen. Dann hat der Papa eine Idee....Familienzeit mit Gott. Wir holen unsere Bibeln, jeder sucht sich eine Geschichte aus und liest vor. Von Elijah, der vom Feuerwagen geholt wird, über den Verlust der Bundeslade an die Philister bis hin zu den Psalmen geht die Reise. Danach beten wir gemeinsam. Ruhe kehrt in unsere erhitzten Herzen.

Wir verabreden uns mit der Familie des Schwagers am See in Bregenz. Bepackt mit Kühlkiste inklusive Jause, Cider, Bier und Saft auf einem Leiterwagen stöhnen wir durch die erbarmungslose Sonne Richtung erfrischendem Nass. Am anvisierten Platz ist kein Plätzchen frei, nicht mal der Babybabyelefant findet Unterschlupf. Woanders geht es sich mitsamt exotischer Begleitung aus. Wir treffen sogar noch Bekannte aus unserer Kirchengemeinde. Gott ist gut!

Die Kinder verspringen sogleich gen See während die braven Eltern die 30 Jahre alte Luftmatratze (Qualität halt), Schwimmreifen (den aus Plastik) und Donut (nix zum Essen) aufblasen. Kaum vollgepumpt, schon verschwunden. Die nächsten 2 Stunden kinderfrei tratschen und diskutieren wir über Gott, die Welt und Familiengeschichten in Begleitung von Dosenbier und Stealth-gemodetem Cider (Glasflaschen-Verbot und kein Dosencider daheim). Aber ein Handtuch ist nicht nur zum Abtrocknen gut...wir haben leider keine ami-liken Papiertüten dabei.

Während Mama, Schwager und Teile der Kinderschar sich im Ligretto bekriegen bereiten Papa und Schwägerin das Abendessen. Fein wird gepicknickt und genossen. Die halbe Stunde Ruhephase nach dem Essen wird kinderseitig gekonnt ignoriert und später wagt sogar Mama ein einsames Schwümmle im lauwarmen Bodensee (mit 24 Grad immer noch eine Abkühlung).

Als sich die Sonne gen Horizont begibt, paddeln die 4 Stögis mit der altehrwürdigen Luftmatratze raus auf's Wasser. Oberhalb der deutschen (oder doch schon schweizer?) Berge tummeln sich einige Wolken,welche das Feuerwerk sämtlicher Rot- und Orange-Töne zusätzlich spektakulär anfeuern.

Friedlich und einmütig schweben wir nebeneinander am Wasser. Nicht einmal Diskussionen wer neben wem hat es gegeben. Wir beobachten die langsam untergehende Sonne. Der Feuerball wird immer noch lavaähnlicher bis man glaubt, gleich müsse er explodieren.

Der Kreis wird durch den Horizont immer kleiner. Viele andere, teilweise auf Booten, verlieren sich in dem Spektakel. Wir bleiben in Stille und Stimmung bis sich der letzte Streifen Glühen verabschiedet. Dann strampeln wir bedächtig Richtung Ufer.

Ein anstrengender Vormittag, dafür gemütlicher Nachmittag mündet in in einem traumhaften Abschied. Manchmal muss man nur warten können....

© GF_Stöger 01.08.2020

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