Fast unsichtbar

Sehnsüchtig lag ich wartend in einer vollen, lieblichduftenden Wanne. Heute würde ich diesen besonderen Moment genießen. Mich dem warmen Nass hingeben und meinen ganzen Körper spüren. Mit den Füßen im Wasser plantschen und ganz bewusst die Gegenwart erleben.

Doch damals war ich großer Sehnsucht, um jeden Preis wollte ich Aufmerksamkeit und gesehen werden. Er saß unten im Wohnzimmer und war sichtlich erleichtert die Klette für kurze Zeit los zu sein. In dem Augenblick fühlte ich mich unendlich klein, fast unsichtbar. Viele Jahre hat mich dieses Gefühl begleitet, erst als mich das Schicksal auf den anderen Sessel katapultierte, begann ich zu verstehen. Ich dachte ich könnte die ganze Welt mit meiner Liebe tragen. Doch mit der Zeit, blieb keine Liebe für mich mehr übrig. Von jeder Seite wurde an mir gezogen, bis ich nur noch funktionierte. Ich spürte einfach gar nichts mehr.

Da dachte ich, an die volle Wanne und wie schön ich es in dem besagten Moment hätte haben können.

© Giggi