Meine Kleinen Untermieter

Ich war geschäftlich, für ein Meeting, in Zürich. Die Hotelwahl fiel auf das Intercontinental. Die noble Einrichtung und das Zimmer beeindruckten mich sehr. Doch in der Nacht konnte ich kein Auge zu drücken, es war viel zu heiß in dem Zimmer und die Fenster ließen sich auch nicht öffnen. Immer wieder wälzte ich mich von einer Seite auf die andere. Doch zu dieser späten Stunde traute ich mich einfach nicht ins Foyer hinunter, so blieb mir nichts weiter übrig, die Nacht irgendwie zu überstehen.

Ausgelaugt von der schlaflosen Nacht verliefen die Besprechungen gut und nach kurzer Zeit flog ich schon wieder Richtung Heimat.

Ich freute mich riesig auf mein Bett, denn zu Hause schläft man ja doch oft am Besten.

Doch es kam ganz anders.

Ich bekam regelrecht einen Kratzanfall und umso mehr ich mich zudeckte umso schlimmer wurde es. Also stattete ich am nächsten Tag meinem Hausarzt einen Besuch ab. Diagnose, trockene Luft, durchs Heizen in der kalten Jahreszeit. Er gab mir noch eine Creme mit und für ihn war das Thema beendet. Ach wie schön wäre das gewesen.

In der Nacht spielte sich das gleiche wieder ab, ich war schon einem Nervenzusammenbruch Nahe. Anfangs fand mein Mann das noch belustigend, doch als es ihn auch erwischte hörte der Spaß auf.

Wieder gingen wir zum Arzt, abermals vertröstete man uns mit der gleichen, faden Diagnose.

Tage vergingen und es war keine Besserung in Sicht. So beschloss mein Mann nach Wien ins AKH zu fahren und siehe da, wir bekamen unsere Diagnose: Scabies.

Dann fing die Tatour erst so richtig an. Normalerweise versuche ich auch die kleinste Ameise zu retten, doch dieser Gattung wurde der Kampf angesagt.

Wir grübelten darüber nach wo ICH diese netten Untermieter wohl her hatte. Zuerst fiel unser Augenmerk auf die alte Sitzbank meiner Großeltern, doch dann wie ein Geistesblitz die Erleuchtung. Das Hotel!

Finanziell brachte mir das gar nichts, es waren ja schon etliche Tage verstrichen. Somit fokusierten wir uns auf die Bekämpfung dieser ach so niedlichen Lebewesen.

Auf unserem Balkon türmten sich die Müllsäcke mit täglich getragener Wäsche, nach der Taktik dem Untermieter den Wirt zu entziehen. Mit Schwefelbad und Pestiziden haben wir nach langen Kämpfen den Sieg davon getragen.

© Giggi