Von Hausmeistern + anderen Märchenprinzen

Freitag, 7.30 Uhr! Ich warte! Auf den Hausmeister! Ich bin eine ausgesprochen ungeduldige Warterin. Warten macht mich nervös. Schon immer. Seit über einer Stunde gehe ich nun schon in der Wohnung herum, zupfe hier und zupfe dort, schaue immer wieder aus dem Fenster und beginne danach meinen Rundgang von vorn. Setzen mag ich mich nicht. Es ist ungemütlich kühl in den Räumen. Als ich schließlich noch einmal aus dem Fenster sehe, kann ich es nicht fassen - unten im Hof steht der Hausmeister. Es ist bereits zehn Minuten über der Zeit. 7.30 Uhr war vereinbart. Er hätte also gar nicht mehr dort stehen dürfen! Und doch steht er da und tratscht mit der Kleinen aus dem 5. Stock. Hat wohl keine Lust mehr auf Arbeit, so kurz vor der Rente. Verstehen kann ich es ja irgendwie. Arbeit ist beschwerlich, wenn die Knochen steifer und die Augen trüber werden ... und der Bauch immer runder. Was ich allerdings überhaupt nicht verstehen kann ist der ungebrochene Elan beim herumpoussieren, noch dazu mit einer die seine Tochter sein könnte. So langsam komme ich in Rage. Da hat wohl nicht nur seine Uhr ihren Geist aufgegeben. Da ist offensichtlich auch sein eigener eine Etage tiefer gerutscht. Doch halt! Wenn ich jetzt meinen Zorn nicht in den Griff bekomme und die, durchaus berechtigte, Frage in den Hof hinunterkeife, kann ich vermutlich jeden weiteren Termin mit ihm knicken und das für die nächsten 100 Jahre. In Anbetracht dessen würge ich meinen Ärger hinunter (wie immer) und gehe stattdessen Kaffee kochen. Während der durchläuft knabbere ich einen Keks. ‚Trösterkekse’ meine neueste Errungenschaft aus streng privatbiologischem Anbau. Verboten? Na und! Altwerden ist eben nichts für Feiglinge. Da ist einem jede Hilfe willkommen. Und weil ich rauchen eklig finde und überdies allergisch darauf reagiere, sind diese Kekse eine probate Alternative. Auch gegen die Schmerzen.

So eine Frechheit! Nahezu eine halbe Stunde ist inzwischen vergangen! Die Kirchturmuhr schlägt gerade NEUN! Und weil es noch immer nicht bei mir geläutet hat, genehmige ich mir noch einen zweiten Keks. Das beruhigt - kolossal. Und als ich danach noch einmal aus dem Fenster sehe, steht unten ... im Hof ... der Märchenprinz. Von der dürren, blutarmen Zicke aus dem 5. Stock hat er sich bereits abgewandt. Die Erleichterung, ihren rotlackierten Fängen noch einmal entronnen zu sein, ist ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Geht doch, denke ich, und schenke schon mal den Kaffee ein ... für Zwei!

© Gilda