Alles hat seine Zeit

  • 60
Alles hat seine Zeit | story.one

Alles hat seine Zeit, ich bin für Veränderungen immer offen, na sagen wir - fast – offen. Manche Neuerungen, oder Umstellungen machen mir schon ein wenig Angst, ich denke gerade an die „#MeToo“ Debatten, im Fernsehen, im Radio, in allen Medien. Zu prominenten Männern sah man doch immer hinauf, man nahm sie als Vorbild, man ahmte sie nach. Heut werden sie mit Schmutzkampannen beworfen, es werden Vorkommnisse aufgezeigt, die schon dreißig Jahre zurückliegen. Dreißig Jahre, damals hatten wir noch andere Zeiten, es war vieles noch erlaubt, ein kleiner Klaps aufs Hinterteil wurde entweder mit einer reflexartigen Ohrfeige oder bloß mit einem Lächeln geahndet. Sicherlich gab es damals auch schon schwerwiegendere Vorkommnisse, doch Vergewaltigungen waren auch früher schon eine Straftat. Wieso hatte man diese damals nicht schon zur Anzeige gebracht, wurden solche Vorkommnisse vielleicht als Druckmittel verwendet, um berühmt zu werden? Ich, das ist meine eigene Meinung, blicke hier nicht ganz durch.

Ja die Zeiten ändern sich, das ist mir schon bewusst, doch mir fehlt trotzdem oft der Durchblick. Heute ist es Gang und gäbe, dass Frauen und Mädchen begrapscht werden, das ist doch nicht normal, früher konnte man Nachts im Mondschein spazieren gehen, heute traut sich kein Mädchen mehr alleine außer Haus, wenn es dunkel wird. Schade eigentlich. Auch als Elternteil haben sich die Gefühle verändert, man hat permanent ein ungutes Gefühl, das sich erst wieder legt, wenn das Kind wieder nach Hause zurückgekehrt ist.

Ich hatte auch neulich so eine mysteriöse Begegnung, nein eigentlich keine Begegnung, zwei Burschen mit Kapuzenpullis, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen gingen immer knapp hinter mir, wurde ich langsamer, blieben sie stehen, ging ich schneller, waren sie wieder hinter mir, dabei bin ich kein junges knackiges Mädchen mehr. Gott sei Dank kam an der nächsten Ecke ein jüngerer Mann des Weges, plötzlich drehten sie um und verschwanden.

Diese Begebenheit spielte sich nicht Nachts ab, nein es war gerade mal 19 Uhr, also noch hell.

Die Angst im Nacken blieb, bis ich hinter mir die Haustüre abgeschlossen hatte.

© Gina 11.10.2019