ein Hilferuf

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ein Hilferuf | story.one

Ein Schrei durchdringt die Stille, ich hebe den Kopf, blicke mich um, warte einen Augenblick. Ich bleibe noch einige Sekunden still stehen – nichts – Stille.

Langsam gehe ich auf die Terrasse hinaus, blicke nach allen Seiten – ich habe einen „Rundumblick“ von oben, in alle Gärten meiner Nachbarn. Ich kann nichts Ungewöhnliches entdecken. Meine Nachbarn sind normalerweise alle vormittags in der Arbeit. Ich schüttle den Kopf, da höre ich wieder „Hilfe“, doch diesmal war die Stimme schon etwas leiser. Da ich mich nun im Freien befand, konnte ich die Lage besser einordnen und blickte gezielt in die Richtung, aus der ich den Hilferuf vermutete. An einem Haus, das etwas weiter weg lag, wurde gerade umgebaut, doch die Sicht von der Terrasse zu diesem Objekt versperrte mir ein großer Baum. Ich lief in meine Küche, von dort aus konnte ich zur Baustelle blicken, doch entdecken konnte ich auch von dort nichts. Ich öffnete das Küchenfenster und lauschte eine Weile, da kam wieder ein „Hilfe“. Jetzt wusste ich es genau, dort musste es ein Problem geben. Ich lief über die Straße zur Baustelle und sah die Bescherung. Der Hausbesitzer wollte einen langen Holzträger in den ersten Stock hinauf hieven, der Holzträger rutschte dabei weg und drückte den Mann an die Wand.

„Hilf mit bitte, ich kann alleine den Holzträger nicht mehr bewegen, er hat sich verklemmt“ jammerte er. Ich bin zwar eine zarte Frau, doch ich lief zu einer Höchstform an, ich stemmte mich mit aller Kraft gegen den Holzträger und wirklich, der Mann konnte sich befreien und der Träger fiel krachend zu Boden. Der Mann setzte sich auf den Boden, zündete sich eine Zigarette an und sagte leise „danke, meine Frau wäre erst zu Mittag auf die Baustelle gekommen, das hätte ich solange nicht ausgehalten“.

„Brauchen sie einen Arzt?“ fragte ich ihn nach einer Weile.

„Nein Gott sei Dank nicht, danke nochmals“ und er lächelte scheu.

„Keine Ursache“ sagte ich und lachte auch. Ich drehte mich um und sagte noch „ wozu hat man Nachbarn, auch wenn sie etwas weiter weg sind, sind sie nicht umsonst“.

© Gina