GINA

Gina sprüht vor Begeisterung, sie könnte die ganze Welt umarmen. Sie tanzt übermütig über die vereiste Straße, ja sie springt sogar hoch und jauchzt dabei. Die Zukunft liegt glasklar vor ihr, so klar wie der vereiste Asphalt, der in der Sonne wie ein Sternenteppich funkelt und glitzert. Ginas Augen leuchten, ihre Wangen glühen und ihr Temperament kennt keine Grenzen.

Gina findet, das muss gefeiert werden und sie greift zum Handy. „Hy“, Karos Stimme klingt missmutig und gereizt. Gina überlegt einen Augenblick, ob es richtig war, sie anzurufen und ihre gute Laune knallt brutal, wie ein Stein auf dem harten Boden zu ihren Füßen nieder. Gina wirft enttäuscht das Handy in die Handtasche zurück und steuert das nächste Cafe an. Am Eingang bleibt sie zögernd stehen, geht jedoch im nächsten Augenblick zielsicher zum kleinen Tisch in der linken Ecke und lässt sich in die weichen Polster fallen. Sie bestellt eine heiße Schokolade und findet, die hat sie sich verdient und die Glückshormone springen wieder ungebremst in die Atmosphäre.

Gina fischt aus der Tasche einen kleinen Notizblock und einen Bleistift, lehnt sich zurück und beginnt, ihre Gedanken und Gefühle aufzuschreiben. Die Kellnerin serviert die heiße Schokolade, Gina lächelt verschmilzt und schlürft genüsslich beim heißen Getränk, findet es superlecker und schleckt sich mit der Zunge die Schlagsahne von der Oberlippe. Welch ein herrlicher Tag, findet Gina und greift wieder zu Papier und Stift.

Die Buchstaben tanzen in ihrem Kopf und der Stift schwebt wie von Geisterhand über das Papier, die Intuition legt die Gedanken lahm, sie fliegen durch Zeit und Raum.

Als Gina endlich wieder von ihrem Block aufblickt bemerkt sie, dass sich das Cafe geleert hat, sie sie war als einziger Gast übriggeblieben. Sie steckt den Schreibblock und den Bleistift wieder in die Tasche, winkt dem Kellner, bezahlt ihre Rechnung und geht beschwingt auf die Straße, winkt einem Taxi und lässt sich in die Redaktion bringen. Gina hüpft leichtfüßig über die Stiege zu ihrem Büro, setzt sich zu ihrem Schreibtisch und tippt die Geschichte in den Computer.

Ja, dieser Bericht ist sehr gut gelungen, sie lächelt, diesen Job hat sie sich verdient.

Als am nächsten Morgen die Story mit dem Titel „Gibt es eine höhere Macht?“

in der Zeitung steht weiß niemand, dass Gina diese Geschichte nicht erfunden, sonder selber erlebt hatte.

© Gina