Beobachtungen im Gastgarten

Dem Himmel sei Dank, ein schattiger Gastgarten. Ich steuere das Rad zum Eingang, will schwungvoll absteigern, doch die Beine und der Po - sie wollen nicht so wie ich will, sie schmerzen von der langen Fahrt. Etwas steif und unbeholfen stehen meine Füße nun wieder auf festem Boden und mein Blick schweift über die Köpfe im Gastgarten. Bis auf einen kleinen runden Tisch in der hintersten Ecke mit nur einem Stuhl, ist alles besetzt. Ich steuere auf diesen Tisch zu, ich brauche blos einen Stuhl, denke ich zufrieden und setze mich. Die Kellnerinnen laufen eifrig von Tisch zu Tisch, ob sie mich wohl in der hintersten Ecke erblicken? Egal denke ich, ich habe ja Zeit und lasse meinen Blick schweifen. Eine Damenrunde weckt meine Aufmerksamkeit, sechs Damen in einer wie mir scheint, heftigen Diskussion und das Thema lautet wahrscheinlich "Kinder".

Die Dame im roten Kleid, mit einer dicken Goldkette und den dazugehörenden Ohrringen nickt nur, sie hatte gerade ein großes Stück Apfelkuchen in den Mund geschoben. Doch die Dame gegenüber, etwas mollig, mit kastanienbraunem Haar und einer modischen blauen Brille auf der Nase regt sich fürchtelich über den Lehrer ihres Sohnes auf. Der hatte ihrer Meinung nach, die letzte Mathe Schularbeit viel zu streng benotet. "Mein Sohn hätte leicht eine Zwei erhalten können, wenn nicht .....naja, das zu erklären würde zu lange dauern, ist jetzt auch egal". Doch die rotblonde, mit den vielen Sommersprossen, dem grellroten Lippenstift, der gar nicht so richtig zu ihrer Haarfarbe passte, wirft ein "das ist nicht egal, dieser Snob von einem Lehrer, der wird ja nicht einmal von den Kindern gemocht, geschweige von den Eltern". "Ja dein Bub" ruft die Blonde, mit den vielen Ringen an den Fingern dazwischen "vierdient vielleicht nichts anderes" und sie trommelt mit ihren roten Fingernägel dabei auf die Tsichplatte. Eine Dame, brünetter kurzer Haarschnitt, die Sonnenbrille lässig über den Haaransatz geschoben, schon etwas über dreißig - vermute ich, fällt der Blonden ins Wort "meine Lieben, wir wollen uns doch nicht streiten,wir möchten eine Lösung finden. Das ist der Grund für unsre Treffen heute. Alle nicken.

Ich lasse meinen Blick wieder schweifen - wo bleibt die Kellnerin - ich hebe die Hand und winke. Leider beachtet sie mich nicht. Naja, ich nehme meine Trinkflasche aus dem Rucksack.

Ein paar Tische weiter, rechts von mir, eine Herrenrunde. Dort geht es lautstark zu, sie spielen Karten. Trumpf - gestochen - pass auf - noch zwei, ich höre gar nicht mehr richtig zu.

Die Kellnerin nähert sich, eine gutaussehende, in einem Dirdl, das viel erahnen lässt und noch mehr preisgibt. Sie lächelt entschuldigend, sie hebt die Hand und meint "so viele Leute heute, ich komme gleich". Doch sie hat nicht mit den Karten spielenden Herren gerechnet. Einer holte zu stark aus und verabreicht der Kellnerin einen Schlag gegen den Magen, leise sackt diese zusammen.

Und ich - ich stehe auf, schwinge mich aufs Rad und fahre weiter.

© Gina