Ist das Normalität?

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Ist das Normalität? | story.one

In meinem Kühlschrank herrscht gähnende Leere, nur mehr Mineralwasser und ein paar uralte, vertrocknete Karotten. Ich setze mich ins Auto und fahre in den nächsten Supermarkt. Schon als ich mir ein Einkaufswagerl nehme, fällt mir vor dem Eingang ein junges Ding auf, sie hält alte Zeitungen im Arm, doch ich denke sie bettelt. Eine alte Frau stellt das Wagerl zurück und gibt dem Mädchen die Münze.

Ich betrete das Geschäft, bleibe gleich mal beim Obst stehen und überlege, da kann ich zwei Damen beobachten, die den Salat herausnehmen, drücken, wieder zurücklegen und das fünf mal hintereinander. Sie beanstanden, dass der Salat völlig zerquetscht ist und nehmen eine Gurke. Ist das ein Wunder, bei dieser Behandlung, ich schüttle den Kopf. Ein Stück weiter steht eine junge Mutter, das Kind sitzt im Wagerl und nörgelt ununterbrochen. Die Mutter nimmt sich eine Weintraube, wischt sie an der Hose ab und gibt sie dem Kind, das macht sie gleich dreimal. Ich drehe mich um, ich möchte ein Salzgebäck, neben mir steht ein junges Ding, mit Nasenring und schwarzen Fingernägel, nimmt sich eine Semmel heraus, legt sie wieder zurück und greift nach einem Salzgebäck. „Junge Dame“ sage ich zu ihr „man greift das Gebäck nicht mit bloßen Händen an, dazu gibt es eine Zange“. Sie sieht mich herablassend an und sagt schnippisch „das geht sie überhaupt nichts an“. Ich schnaube laut und bevor ich noch etwas sagen kann, kommt eine Verkäuferin und meint „die Dame hat recht, junges Fräulein“. Das junge Ding blickt wütend drein und antwortet „dann nehm ich das Salzgebäck auch nicht“ legt es wieder zurück, dreht sich um und geht. Die Verkäuferin schüttelt den Kopf und mir bleibt die Spucke weg. Die Lust auf ein Gebäck ist mir nun gründlich vergangen, ich gehe auch weiter. Beim Käseregal und beim Wurstregal ist alles verpackt, hier greife ich zu. Ich gehe beim nächsten Regal um die Ecke, da sehe ich die junge Mutter wieder. Sie öffnet gerade einen Schokoriegel und gibt ihn dem Kind. Ich stehe bei den Chips und blicke immer wieder zur jungen Mutter, nebenbei studiere ich die Kalorienangaben auf den Chipspackungen. In der Zwischenzeit hat das Kind den Schokoriegel aufgegessen und die Mutter blickt sich um. Ich beobachte sie, sie legt die Verpackung der Schokolade in ein Regal und stellt auch noch eine leere Dreh-und-Drink Flasche dazu, ich bin entsetzt. Die junge Mutter geht nun zügig zur Kasse und ich stelle mich nach ihr an. Sie legt die eingekauften Sachen auf das Förderband und ich warte, was nun geschieht. Die Kassiererin blickt in das Gesicht des Kindes und sagt, „na Kleine, hat dir die Schokolade geschmeckt?“ Das Kind nickt heftig, die junge Mutter wird rot. Ich sehe ihr direkt in die Augen und warte. „Wo hast du die Verpackung hingelegt?“ fragt die Kassiererin das Kind.

„Die Verpackungen liegen dort hinten im Regal“ rutschte mir heraus und die junge Mutter blickte mich böse an.

© Gina