leere Versprechungen

Meine Augen schauen fasziniert auf ein Wahlplakat, wähle uns, wir sind die Besten, wir versprechen alles,

Mindesteinkommen und leistbare Mieten,

Reichensteuer und Bankentrennung, in Spekulationsbanken unabhängig von Geschäftsbanken.

Ich bleibe stehen und überlege, der rote Faden läuft quer, oder läuft er waagerecht, oder vielleicht sogar senkrecht, durch das Plakat, der abgebildete Mann darauf lächelt, jedoch ist dieses Lächeln nicht, irgendwie, wie soll ich es treffend beschreiben, hinterfotzig gewinnend,

oder verzweifelt nach Wahlstimmen ringend,

oder gleichgültig, weil alles sowieso nur leere Versprechungen sind?

Ich versuche, in den Augen des Mannes mehr zu erkennen, vielleicht ist er auch nur eine Marionette der Partei, der bloß, lächelnd mit dem Kopf nicken muss, wenn er den Befehl bekommt?

Oder ist es pure Verzweiflung, über den aussichtslosen Kampf weil die Umsetzung dieser Versprechen sowieso an den anderen Parteien wieder scheitet?

Oder ist es die Gleichgültigkeit gegenüber den Wählern, die ja sowieso zu dumm sind, den politischen Durchblick zu haben?

Oder ist es vielleicht Arroganz, das blöde Volk verdient nicht meeeehr?

Ich gehe weiter, bloß ein paar Schritte, da laufe ich auf das nächste Wahlplakat zu, alles in grün gehalten, die Schrift, das Kleid, der Lidschatten und natürlich die Bäume im Hintergrund,

miteinander, nicht gegeneinander, sei tolerant und verständnisvoll, Migration ist gefragt.

Mir wird schlecht, das Frühstück dreht sich im Magen um, ich fange an zu laufen, damit ich keine Wahlplakate mehr ansehen muss, oder soll ich die Augen schließen, nein das könnte fatal enden.

So lauern die Plakate auf uns Wähler, hinter jeder Ecke, bei jeder Haltestelle, neben jeder Telefonzelle, immer wieder, jedoch immer in einer anderen Farbe, und natürlich mit anderen Buchstabenkombinationen, man muss sich doch besser präsentieren als der Gegner der daneben klebt.

Total erschöpft erreiche ich mein trautes Heim, meine Schuhe fliegen im weiten Bogen in die Ecke, die Tasche landet unsanft auf dem Küchenboden, der Salat kugelt dabei unter den Tisch, das ist mir jetzt alles wurscht.

Ich drücke ein Knöpfchen, der Kaffee duftet verführerisch und ich schalte das Radio ein, doch es kommt keine Musik, nein, eine Werbesendung einer Partei zur bevorstehenden Wahl, das kann doch nicht sein.

Ich laufe auf der Straße vor den Plakaten davon, sie erscheinen mir sogar im Traum, ich habe nicht mal zu Hause meine Ruh, ich nehme einen Schluck Kaffee und überlege kurz, alle Wahlversprechen, würden sie nach der Wahl in die Tat umgesetzt, das wäre das schönste an einem Wahlversprechen.

© Gina