Schönwetter

Holly hüpft die Leiter hoch und schaut mich neugierig an. Ich klopfe aufs Glas und versuche, mit Grimassen meine Freude zu zeigen, „Schönwetter“ ist angesagt. Doch jetzt erst sehe ich die Fliege, Holly dreht erwartungsvoll den Kopf, die Fliege summt über ihrem Haupt.

Ich beobachte wie Holly´s Zunge vorschnellt und … die Fliege verschwindet im Maul. Holly klettert zufrieden wieder auf den Boden des Glases zurück, das war´s also mit „Schönwetter“.

Ich spüre, wie leichter Frust in mir aufsteigt, Wärme – Sonne – Wohlgefühl, wo haben sie sich versteckt. Sind sie im Regen davon geschwommen?

Ich sitze regungslos vor Holly, die gelangweilt am Boden ihres Glases vor sich hinstarrt. Ich überlege, vielleicht ist sie krank? Oder eventuell beleidigt, weil ihr Mittagessen aus nur einer Fliege bestand?

Doch Fliegen und Mücken, wie sollen sie in meinem Reich überleben, wo ein flinker Jäger wie Holly, mich vor lästigen Besuchern beschützt.

In Gedanken versunken, den Blick im Nirgendwo geparkt, entschwindet die Realität und ich spüre die warme Sonne auf meiner Haut, der leichte Wind streicht mir durchs Haar und ich rieche das salzige Meerwasser - und - Glücksgefühle steigen in mir hoch.

Sommer das ultimative Lebenselixier, das die Seele schweben lässt, die Sinne streichelt und wo die Gefühle in einem Feuerwerk ins Universum fliegen.

Die Glocke reißt mich brutal in die Realität zurück, langsam bewege ich mich zur Tür und öffne sie - meine gutgelaunte Freundin steht mir gegenüber und meint „hast du schon gesehen, die Sonne bahnt sich den Weg durch die Wolken, wollen wir joggen gehen?“ Bevor ich antworte, werfe ich einen scheuen Blick zurück - Holly sitzt auf der obersten Stufe der Leiter, ja ….. NUN ist „Schönwetter“ angesagt.

© Gina