Autismus - oder was sonst ???

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Autismus - oder was sonst ??? | story.one

Wo liegt die Messlatte zwischen normaler Entwicklung und später Entwicklung. Wir wussten es nicht. Ich selbst habe mich doch auch langsam hochgerappelt. Wir suchten keine Literatur, aber in mir keimte, ganz langsam, mit der Zeit ein Gedanke, ist Elli noch normal? Dann las ich einmal einen Einspalter in der Zeitung. Mädchen wurde erst mit 17 Jahren in der Schule auf Autismus positiv getestet. Dieser Artikel bleibt mir im Gedächtnis. Was ist Autismus. Ich komme auf Gesundheitsmessen und informiere mich. Es gibt Fragebögen, ich beantworte diese Fragen aus Elli's Sicht, ganz klar, 2/3 der Antworten treffen zu. Mobbing in der Schule brachte Elli endgültig aus der Fassung. Später, dann die Information, Für Autismus gibt es nur 5 Ärzte in Österreich. Alle Psychiater haben in ihrem Studium nichts über Autismus gelernt. Sie fällen Ihre Diagnosen schon nach 10 bis 20 Minuten. Um Autismus zu erkennen sind mehrere Stunden erforderlich. Erst mit 31. Jahren haben wir Gewissheit: Autismus. Viel zu spät ....

Zu ihrer 1. Arbeitsstelle haben wir sie gefahren.

Dann ist sie die Strecke mit dem Fahrrad gefahren.

im Winter kalt, anstrengend, sie kauft sich ein Elektrorad.

Elli war von uns ein wenig, weniger abhängig. Dann sah sie ein fast neues Mopedauto beim Autohändler stehen. Führerscheinfrei, stand darauf. Dann die Ernüchterung, das gilt nur für Personen ab 50 Jahren. Mopedführerschein das mache ich. Also wir kauften das Auto im Jänner, der Führerschein dann im Frühjahr. Das Auto wurde für Elli angemeldet, und ich habe mit Ihr am großen Parkplatz viele Stunden geübt. Zuerst bin ich hingefahren und heimgefahren bis sich Elli auch das zutraute. Es war eine schwere Geburt, aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen. 2 Jahre ist Elli unfallfrei ihre Wege gefahren. Allerdings hatte sie eine Abneigung gegen Linksabbiegen entwickelt und hat Ihre Ziele nie auf dem kürzesten Weg erreicht. Aber Elli ist immer gekommen, manchmal mit Verspätung. Elli's Orientierung ist bis heute ein Geheimnis. Sie kann nicht erklären wie sie das macht. Ein, zweimal den Weg gezeigt, dann findet Sie ihn. Mit meinen Erklärungen geht das nicht, mit ihrer Mutter's auch nicht, bleibt der Anschauungsunterricht.

Dann eines Tages sagt Elli ich will die Mopednummer nicht mehr, da wollen alle Autofahrer noch vor der Kurve überholen, das ist gefährlich. Ich will eine normale Autonummer. Ich mache den Führerschein. Es dauert ein paar Wochen, dann ist der Kurs, kein Problem, dann die Fahrstunden. Elli kannte den Verkehr, war schon mit den Verkehrszeichen vertraut und der Rest funktionierte auch. Sie brauchte nur 16 Fahrstunden, bis zur Prüfung. Sofort bestanden. Mopedauto verkauft, und einen gelben Smart angeschafft.

Ihre ganz persönliche Freiheit.

Sie ist nicht für schnelle Entschlüsse, daher meidet Elli Autobahnen, und fährt nicht schneller als 70 Kmh. Das reicht ihr!

Heute fährt sie ihren 5. Smart rot, unfallfrei, hat einen Großpudel und eine eigene kleine Wohnung.

© GONI