Beinahe....!

1963 habe ich Auto fahren gelernt. Damals hatten die Blechkisten noch Strom fürs Licht, Blinker und die Zündung. Alles andere war mechanisch. Mein erster Käfer Bauj. 1956 Export Modell hatte Blinker, aber die alten Winker waren noch da, ohne Funktion. Als Techniker in meinem vorigen Leben, habe ich viel erlebt, gesehen und rund 2 Mio. Kilometer meistens erfolgreich absolviert.

Die einprägsamsten Erlebnisse möchte ich hier erzählen. Ich bin mit meiner Schwester per Autostopp unterwegs von Regau nach Wien. Ein großer Wagen bleibt stehen, wir sind erfreut, denn er fährt uns nach Wien. Im Gespräch ergibt sich, daß unser Fahrer in der Modebranche arbeitet und viel fährt. Kleider im Wagen bestätigen das. Er zieht mit ca. 160 km/h über die wenig befahrene Autobahn. Früh's in Basel abgefahren, war auf der Messe in Hamburg und abends in Wien. Unglaublich, wie geht das?

Und dann kommt eine Baustelle. Geschwindigkeitsbegrenzung bis auf 60km/h.

Der geht nicht vom Gas, er bremst nicht, ich schau in seine Augen, nein er schläft nicht, hoch konzentriert fährt er in die Baustelle mit vollen Tempo. Ein kurzer Ruck am Lenkrad – dann noch Einer, der Opel Diplomat schwankt, pendelt zurück und kommt wieder zur Ruhe. So schnell habe ich die Warnbalken der Baustelle nie wieder vorbeiziehen sehen. Noch 2 weitere Baustellen haben wir auf die gleiche Art genommen. Schnell, sehr schnell waren wir in Wien.

Winter, Schneefall, Tempo 60, meine Schwester und ich sitzen in einem DKW 1000 Heimreiseverkehr Richtung Wien. Wienerwald die große Kurve, dahinter geht’s bergab. Als wir so um die Kurve kommen, sehen wir auf ein rotes Lichtermeer. Unser Fahrer behält die Ruhe, sucht sich eine Lücke und bremst ab. Gerade schafft er es stehenzubleiben, wir atmen auf, gut gegangen, da bekommen wir einen Schubs, noch Einen und es kracht, ein Käfer war zu schnell. Im Nu waren wir mitten drin. Im Auto sitzen bleiben, sehr viel später löste sich der Knoten, wir konnten weiterfahren.

Kürzlich mit meinem MB 200 im Bosrucktunnel. Ich fahr in der 2. Spur mit 100 km/h um einen LKW zu überholen. Hinter den LKW fährt ein Volvo SUV.

Ganz langsam kommt der auf meine Spur, ich denke noch jetzt wird er mich sehen, aber nein er wechselt weiter die Spur. Ganz kontinuierlich beinhart.

Er ist schon mit seinem Reifen an meinem Kotflügel, jetzt denke ich mir, gleich fliegen die Teile durch das Tunnel, Vollbremsung, Hupe, was denkt sich Der bloß? Noch im Tunnel, Pannenbucht bleibt er stehen, ich dahinter. Mein Herz auf Maximalpuls. Ein junger Mann steigt aus, wo waren sie, ich habe sie nicht gesehen. Ich deute auf die 10 cm lange schwarze dicke Gummispur auf meinem Kotflügel. Der Wagen ist 4 Tage alt und die Spiegel richtig eingestellt. Es war ihm peinlich! Kein Schaden, kein Kratzer, nichts! Trotzdem wechseln wir die Adressen. Er meint noch wenn was ist, rufen sie mich gleich an, damit ich Meldung bei der Versicherung machen kann. Fahrerflucht in der Akte eines Kriminalbeamten macht sich nicht gut!

© GONI