Die große Liebe ...

In den 70 ern lebte ich im Süden von München. Viezehntägig pendelte ich nach Wien, meinem Ausbildungsort. Überrachend ergab sich die Gelegenheit eine Münchnerin mit meinem Auto nach Wien mitzunehmen. Wir hatten eine sehr kurzweilige Fahrt. Gute, interessante Gespräche über Beziehungen und so erfuhr ich von ihrem Freund. Da schoß es mir durch den Kopf: "Eine so tolle Frau, und ich brachte Sie zu Ihrem verheirateten Freund". Ich kannte sie nicht, aber ich wollte das ändern. Einzige Gelegenheit, die Rückfahrt. Die Studentin, sie verlebte ein schönes Wochenende, ganz verliebt und doch voller Zweifel. Wir fuhren zurück und ich wusste, mir blieben zumindest 5 Std. Fahrzeit. Wird das reichen? Ich durfte ab St. Pölten meine Hand tröstend um Sie legen. Nur an der Grenze und am Irschenberg brauchte ich die rechte Hand zum schalten, sonst ruhte sie an meiner, rechten Schulter. Aus den 1300ccm holte ich nicht die letzten Reserven, gemeinsame Zeit - ein Traum könnte wahr werden. Die Gespräche sehr offen, sogar intim, Vor- und Nachteile so einer Beziehung und deren Bestand. Sie war nicht sicher, ob das gut gehen kann. Eine traumhafte, stimmungsreiche Atmosphäre die, so nicht enden konnte. Es war eine mondhelle Nacht. Die Frage ob ich müde sei, bejahte ich, hoffnungsvoll. Natürlich, wie ein Kavalier kutschierte ich meine Liebe zu ihrer Wohnungstür in München und das Angebot mitzukommen um etwas zu trinken nahm ich gerne an, denn der Heimweg nach Ottobrunn dauerte noch, es war ja mittlerweile 23 h. Oben unterhielten wir uns die Stimmung hielt, und ich durfte bleiben. Wir kuschelten im einzigen, schmalen Bett. so schaut doch die Siegerstraße aus, aber neben mir lag das Sternbild Waage. Der Skorpion spürte Ihren Zwiespalt, die Waagschalen pendelten schon den ganzen Abend, ich gab ihr Zeit, wollte Sie aber auch gerne für mich gewinnen. Ich streichelte sie und tastete mich behutsam vorwärts. Ihr wurde schlagartig bewußt - jetzt ist die Entscheidung zu treffen. Da plötzlich schlug die Waage zum letzten mal um, nein, sie wollte ihrem verheirateten Wiener Freund treu bleiben. Ein Schwall von Tränen, das Bild des Freundes am Nachtkasten zu Anfang umgedreht, lachte mich nun an, er war der glückliche Gewinner. So schliefen wir ein, jeder seinen Gedanken nachhängend. Was für eine wunderbares Mädchen. Nie wieder hatte ich eine so wunderbare, einzigartige Wienreise.

In der Früh -kurze, respektvolle Verabschiedung für immer. Die große Liebe - ja, aber nicht für mich!

© GONI