Meine Vermieterin

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Es gibt da eine kleine Grenzstadt im Norden Österreichs wo das Innwasser gelegentlich Lust verspürt auf den Hauptplatz zu schauen, den aber nie erreichen wird. Zu hoch über den Ufern liegt das Kleinod. Aber das Wassertor macht seinem Namen alle Ehre und lässt den Inn manchmal durch, wenn er sich wieder einmal ganz breit macht. Ich bekomme eine Anstellung im Konzernbetrieb des ehemaligen „Ortskaiser's“ dessen Imperium sich schon im Niedergang befindet. Also wähle ich ein Zimmer mit Badbenützung. Der Sohn, ein passionierter Angler fischt in der Pram. Manchmal, wenn ich früh's ins Bad komme, schaut mich ein Ungeheuer an, das fast die Wanne ausfüllt und sein Fangtrauma im klaren Wasser erst verarbeiten muß.

Wenn ich dann in die Arbeit will, draußen Schnee liegt, ist es ein Lotteriespiel die kleine Gasse bergab zu rutschen und unten die leere Hauptstraße zu treffen, weil schon gestreut, oder ein Auto auf der Hauptstraße anzurempeln. Ich habe immer die Lücken getroffen, aber diese Lotterie, war zu riskant.

Ich suchte mir ein größeres Zimmer. Durch Mundpropaganda früher ein gut funktionierendes System der Kommunikation, auch Buschtrommel genannt, erhalte ich einen Namen, eine Adresse und eine Telefonnummer.

Toll, denke ich mir, der Name ist wie meiner, nur anders geschrieben. Ich stelle mich vor, eine kleine resolute Dame, fast eine engl. Lady, empfängt mich. Ihr Alter, für mich als 29 Jährigem, unbestimmbar uralt. Ich beantworte ihre Fragen, und bekomme das Zimmer. Das Haus im Grünen, 6 km außerhalb, ein Bau aus einer anderen Zeit, halb Mietshaus halb Bauernhaus. Sicher aus dem 19 JH. Ihr Vater hatte es angeschafft und sie ist mit ihrem Mann dort mit eingezogen. Rund um das Haus eine 2 m hohe Mauer, dahinter Felder. Meine Wirtin ist Witwe, ihr Mann ist auf den Weg in die Stadt verunglückt, Die Pferde, 4 spännig angespannte Rappen, sind durchgegangen und in der scharfen Kurve vor der Stadt ist der Wagen an die Böschung geschleudert worden und zerbrochen.

Das habe ich so nach und nach erfahren, denn manchmal hat sie mich abends hereingerufen und wir haben geplaudert. Sie hat keine Kinder, in der Stadt eine kleine Schneiderei mit einer Angestellten. Ich soll ihr versprechen, keine Frauengeschichten im Haus.

Einmal bittet sie mich herein und nimmt Maß. Sie zeigte mir Stoffmuster, ich darf mir aussuchen was ich als Morgenmantel haben will. Sie ist begeistert von meiner Auswahl und bevor es Herbst wird habe ich meinen Hausmantel. Sie hatte einen Narren an mir gefressen.

Ich hatte einen Stein bei ihr im Brett uns sie ließ durchblicken, sie wird mich als Erben anschreiben lassen. Sie hatte nur verwandtschaftliche ganz entfernte Neffen, die sie nicht schätzte. Ich machte mir keine Gedanken darüber, und zum Weihnachturlaub fahre ich heim.

Im Jänner erreicht mich die Nachricht, dass meine Vermieterin im alten Jahr verstarb und beigesetzt wurde. Nein, daß es so schnell gehen würde hatte ich nicht erwartet.

Sie hatte Weihnachten noch Besuch.

© GONI 13.12.2019