einst, Nahversorgung in der Hamburgerstr.

Dort wo der Wienfluß einen Knick macht wird die lange Rechte Wienzeile von der Hamburgerstraße unterbrochen. Wenn ein altes Sacco an den Ärmeln durchgescheuert ist macht man Flicken drauf. Genau so ein Flicken ist die Hamburgerstraße für die Rechte Wienzeile. Der Knick im Wienfluß und Wienzeile war früher akustisch zu vernehmen. Im meiner Jugend verkehrte noch der 61er als Straßenbahn. Die enge Kurve wurde immer mit Gekreische der Radkränze auf den Schienen genommen. Am Ende der Lautkundgebung der Bimmelbahn beginnt die kurze Hamburgerstraße. Eine Straßenbahnstation ist länger. Ab 1960 wurde die Tram eingestellt und durch Busse ersetzt. Die Häuser werden nach Fertigstellung der Wienflußeinhausung um die Jahrhundertwende gebaut und sind wahre Perlen des Jugendstiles. Aber diese riesigen Häuser waren da, interessant ist aber nur das ebenerdige Terrain mit seinen verschiedenen Geschäften. Einkaufen im Nahbereich. Fangen wir beim Rüdigerhof an. Das erste Haus noch in der Wienzeile, sticht ins Auge weil just da eine linke Häuserzeile beginnt und auch bald endet. Denn ab Kettenbrückengasse beginnt ja der Naschmarkt, in seiner vollen Breite.

Gleich nach den Rüdigerhof ist ein kleines Milchgeschäft. Offene Milch, auch Sonntag vormittag, die gute alte Milchkanne leistet gute Dienste. Dann der Kaufmannsladen Haag mit der Kaffeeerösterei im hinteren Teil des Hauses. Der alte Herr Haag, immer präsent, groß stattlich mit schwerem Asthma. Daneben seine kleine zarte und quirlige Frau, ohne viel reden, wußte sie alles zu regeln. Ich bin alleine einkaufen, wohl über die Hamburgerstraße gerannt, der Straßenbahnfahrer glaubte eine Notbremsung einleiten zu müssen. Ich war im Geschäft verschwunden, Frau Haag sah sofort der Tumult kommen, winkte mir schnell unter dem Tresen durch zu kommen, hielt mich fest, versteckt und antwortet dem Fahrer, auf seine Frage nach einem kleinen Jungen, hier ist keiner da. Kurze Diskussion, kein Junge, Abmarsch. So bin ich gerettet. Dann ist da noch das Fleischergeschäft, Schwab, Familienbetrieb, nebenan wird noch geschlachtet, später nur mehr zerlegt. Dann ist der Sohn nachgefolgt, bis auch hier geschlossen wird. Die Übersiedlung weit weg. Das urigste Geschäft, die Drogerie, die Einrichtung noch aus der Jahrhundertwende, kann man alles offen haben. Terpentin, Wasserglas, Seifen, Waschpulver, Soda.. Die Gerüche die aus dem Laden kommen, unbeschreiblich intensiv, ein für mich schon sehr altes Ehepaar bediente die Kunden. Da gab es viel zu sehen und zu staunen. Dann gegenüber Ecke Wehrgasse der Bäckerladen, Fam. Himmelmeier und ein Stück weiter die evang. Volksschule mit Kindergarten, als Ersatzquartier für die vom Krieg zerstörte Schule am Karlsplatz. In der Wehrgasse 28 noch die Gurkerlfabrik. Jeden Freitag wurde hier gereinigt und gewaschen sodaß die ganze Gasse nach Essig roch. Noch wenig weiter ein Geschäft mit echten Meeresschwämmen in der Auslage. Alles aus und vorbei.

© GONI